Die doppelte Buchführung....

Historische Entwicklung

Man geht heute davon aus, dass die Ursprünge der globalisierten Weltwirtschaft im fruchtbaren Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris in Mesopotamien liegen in der Obed-Zeit von 5500-3500 vor Chr. Es gelang den fruchtbaren Boden so effizient zu bewirtschaften, dass man nicht mehr kleinagrarisch von der Hand in den Mund lebte (wie zur gleichen Zeit die germanischen Stämmen, die in den Wäldern auf den Bäumen hockten und von Wotan und seiner Vielweiberei träumten), sondern Überschuss erwirtschaftete. Der Überschuss, dass man mehr Menschen ernähren konnte, als man zur Erzeugung der Ernährung brauchte, führte zur funktionalen Differenzierung. Man schuf sich einen von der Feldarbeit befreiten König, Soldaten (die das durchsetzten) und Beamte, die das verwalteten. Auf Tontafeln hielt man fest, wie viel Ernteertrag der Bauer erwirtschaftete, um daraus die Steuern zu berechnen. Viel hat sich daran nicht geändert.

Die fruchtbaren Getreidesorten verbreiteten sich überall im fruchtbaren Halbmond von Mesopotamien (heute Irak), Syrien, Phönizien, Palästina bis hin nach Ägypten. Also deckungsgleich mit dem Gebiet der Nomadenstämmen aus Ur, die ihre Wander-Erlebnisse (Ur, Babylon, Garten Eden, Berg Ararat,  Sinai, Ägypten) im Alten Testament zusammenfassten und heute in Palästina siedeln.

Hier im Morgenland finden wir die Wurzeln der abendländischen Kultur. In Ägypten finden wir dann auch folgerichtig die Tontafeln durch Papyrus abgelöst. Alexandria in Ägypten mit der weltberühmten antiken Bibliothek wie auch Phönizien, deren weltberühmten Händler Karthago gründeten, waren auch deshalb so wichtig, weil hier die Handelsrouten der Kamelkarawanen endeten, die westlich und östlich an der arabischen Halbinsel entlang gingen und das Mittelmeer mit dem fernen Osten (Indien und China) verband, wenn man nicht über Land die Seidenstraße nach China nutzen wollte.

Griechenland und Rom seien hier für unsere Zwecke übersprungen und gleich zu Venedig gegangen. Im Hochmittelalter buhlten Genua und Venedig um die Vorherrschaft im Mittelmeer. Als die Kreuzritter im vierten Kreuzzug ihre Schulden für die Überfahrt nach Ägypten nicht zahlen konnten, lenkten die Venezianer sie von Ägypten weg und brachten sie über Byzanz ins gelobte Land. Allerdings mussten sie für die Überfahrt militärische Dienstleistungen erbringen, so dass Venedig das östliche Mittelmeer beherrschte.

Der Venezianer Marco Polo (1254-1324) gehörte noch zu den klassischen Kaufleuten, die mit Ware von Marktflecken zu Marktflecken wanderten und dort tauschten. Allerdings  brachten seine Nachrichten als Fernhändler aus China, in das er über die Seidenstrasse hinkam und über Indien und Arabien wieder zurück, die Händler in Venedig in Verzückung. Der Trieb (heute würde man sagen Gier) waren so groß, dass noch der Genuese Columbus auf der Suche nach dem direkten Seeweg nach China in Marco Polos Beschreibung Rat suchte.

Oberitalien mit Genua, Florenz und insbesondere Venedig hatten immense Bedeutung für die Entwicklung des globalen Handels: Einerseits beherrschte man (bis zur Entdeckung Amerikas) die Seewege im Mittelmeer (und über Arabien bis nach China), andererseits fand das oberitalienische Tuch (bis zum verstärkten Markteintritt der Engländer) Absatz nördlich der Alpen, insbesondere über das Handelszentrum in Brügge.

Cosimo de MediciDie Geschäfte wurden so intensiv, dass die Kaufleute sesshaft wurden, für den Fernhandel Kontore gründeten, wo ihre Mitarbeiter vor Ort tätig waren und sich ein globalisierter, bargeldloser Zahlungsverkehr entwickelte. Aus manchen Kaufleuten wurden dann Bankiers. So finden wir die ältesten doppelten Buchführung von Kaufleuten in Genua und Venedig im 13. Jahrhundert. Aus Florenz sind uns die Medici (siehe Bild mit Cosimo de’ Medici), Bardi und Peruzzi bekannt. Die Peruzzi gingen 1343 bankrott als Eduard III. den ersten Staatsbankrott hinlegte, als er seine Kredite für die Finanzierung des 100-jährigen Kriegs nicht bedienen konnte. Die Medici dagegen hielten sich einige hundert Jahre als Kaufleute und Bankiers und schenkten der Nachwelt als Mäzene prächtige Kunstwerke, die heute den Kern des Tourismusgeschäftes in Florenz ausmachen.

Die Geschäfte der Kaufleute würden immer voluminöser und langwieriger. Finanzierungen von Handelsexpeditionen erstreckten sich über mehrere Jahre (Perioden), das dass die daraus resultierenden Risiken auch in der Buchführung abgebildet werden mussten. Wie die Risiken aussahen, hat William Shakespeare sehr schön in seiner Komödie “The Merchant of Venice” (Der Kaufmann von Venedig) im Konflikt Shylock versus Antonio beschrieben. Wie die kaufmännische Buchführung dazu aussah, hat der Florentiner Luca Pacioli (im Bild links), ein Freund Leonardo da Vincis, 1494 in einer “Abhandlung über die Buchhandlung” gezeigt. Pacioli war nicht der Erfinder der venezianischen Buchführung, aber er bettete sie in ein mathematisches Lehrbuch, so dass sie noch mehr Verbreitung fand. Siehe wikipedia: “Das Buch enthält die erste geschlossene Darstellung der „Venezianischen Methode“ (doppelte Buchführung), wie sie zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich von den Venezianern und Medici verwendet wurde.”

Man sagt, dass der in Venedig ausgebildete Hauptbuchhalter des Augsburger Fuggerhauses, Matthäus Schwarz, die doppelte Buchführung nach Deutschland brachte, wo die Fugger 1511 die erste Bilanz vorlegten. Sie breitete sich auch in der deutschen Hanse aus. Preußen fand sie so gut, dass man sie 1794 ins Allgemeine Preußische Landrecht übernahm und die zur Pflicht für Kaufleute machte. Bei der Modernisierung des Aktienrechts 1884 sie wurde dann im Handelsgesetzbuch auch übernommen. 1891 wurde dann die doppelte Buchführung im Einkommenssteuergesetz die Steuererklärung mit der Handelsbilanz gekoppelt. Und so sieht die Buchführung im Wesentlichen noch heute aus.


Quelle:http://wk-blog.wolfgang-ksoll.de/2011/08/29/doppik/

Die Buchhaltung im Mittelalter
Das geistige Erbe der römischen Kultur findet sich im Mittelalter in der Klosterbuchhaltung wieder. Die mittelalterlichen Klöster hatten einen großen Grundbesitz und ausgedehnte Wirtschaftsbetriebe, wodurch sie gezwungen waren, ihr Vermögen aufzuzeichnen. Daher wurden in den Klöstern buchführungskundige Schreiber ausgebildet, die nicht nur für das Kloster, sondern auch für den Staat arbeiteten. Beispielsweise wurden unter Karl dem Großen (795 n. Chr.) von Klosterschreibern die staatlichen Einnahmen und Ausgaben gesondert ausgewiesen und eine Überschussrechnung aufgestellt.

Die Buchhaltung der Klöster hatte die lateinische Schrift und die römischen Zahlen als Grundlage. In der Darstellung der Zahlen gab es dadurch ein großes Problem!

Leonardo Fibonacci brachte sein erlerntes Wissen des arabischen Rechnens und der arabischen Art Zahlen zu schreiben, 1202 mit nach Hause (Italien) und förderte durch seine Schrift "Liber Abaci" die Verbreitung der indisch-arabischen Ziffern.

Die Weiterentwicklung der Buchführung vollzog sich vor allem in den Ländern, die ausgedehnte Wirtschafts- und Handelsbeziehungen pflegten. Dies war vor allem in Italien der Fall, da es einen umfangreichen See- und Landhandel betrieb. Bedeutende Handelszentren waren Florenz und Genua, hier wurde das System der doppelten Buchführung deutlich vorangebracht.

Zwischen 1340 und 1430 vollzogen sich große Neuerungen in der Buchhaltung. So die Einführung von Sachkonten (vorher nur Personenkonten), der doppelten Buchführung (erste Belege aus dem Jahre 1340 in Handelsbüchern der Stadtverwaltung von Genua), des Kapitalkontos (1395) und des Gewinn- und Verlustkontos (1430).

Der wichtigste Schritt bei der Einführung der doppelten Buchhaltung (Doppik) war jedoch sicherlich die Gegenbuchung und die Einführung von Kapital- und Erfolgskonto.

Ende des 15. Jahrhunderts, also zur Zeit des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit, kam die Bezeichnung "Buchhalter" auf, und daraus entstand fast gleichzeitig das Wort "Buchhaltung".

Begünstigt durch den Buchdruck von Gutenberg breitete sich das System der doppelten Buchführung rasch aus, und im 16. Jh. wurden die deutschen Handelsbücher fast alle in der Art der italienischen Buchführung geführt.

Die Leistungen des Mittelalters waren also zusammengefasst:

  • Übernahme des arabischen Ziffernsystems mit der gleichzeitigen Abschaffung der römischen Ziffern, Unterteilung der Konten nach Personen- und Sachkonten
  • Entwicklung der doppelten Buchführung
  • Einführung des Kapital- und Erfolgskontos.

Quelle: http://www.cogbyte.de/project/Die-Geschichte-der-Buchfuehrun.480.0.html##2



Als Benedetto Cotrugli 1458 daran ging, einen belehrenden Traktat über den Beruf des Kaufmanns zu schreiben, wußte er wohl, wovon er sprach, denn er hatte es in diesem Metier bereits zu einigem Wohlstand gebracht. Um 1416 in Ragusa geboren, das damals zu Venedig gehörte, ging der Kaufmannssohn während seines Lebens in allen wichtigen Handelszentren des Mittelmeerraumes, darunter Florenz und Barcelona, seinen Geschäften nach. In dem Kapitel 'Del'ordine di tenere le scritture' gibt er, nachdem er die Feder als eines der edelsten Instrumente in der Hand des Kaufmanns gelobt hat, als Begründung für das Anlegen von Geschäftsschriften an, der Händler dürfe nicht einfach aufgrund seiner Erinnerungen handeln, es sei denn, sein Gedächtnis sei so gut wie das des Perserkönigs Darius, der jeden Soldaten seines riesigen Heeres mit Namen gekannt habe, ... oder das des Legaten des Pyrrhos, der schon am zweiten Tag in Rom alle Senatoren mit Namen anredete. Da dies aber nicht jedem gegeben ist, müsse man sich der Schrift bedienen: "La penna è uno strumento sì nobile et sì excellente che non solamente a mercanti, ma etiamdio a ogni arte, et liberale, et mercchanicha, è necessariissima ... Perché lo mercante non dee fare le sue facciende di memoria, ecepto se fussi come Ciro re di Persia, il quale di tucto lo exercito suo, lo quale havea inumerabile, sepea ognuno chiamare per nome; ... et Cinea, legato da Pirho, l'altro dì che entrò in Roma salutò il senato ciaschuno per nome suo. Et perché questo è impossibile ad ogni uno, dunque ne verremo alla prattica delle scripture" (Benedetto Cotrugli, Il libro dell'arte di mercatura [ca. 1458], a cura di Ugo Tucci, Venezia 1990, S. 171).

Im Gegensatz zu Cotrugli, der hier die gedächtnisstützende Funktion der Buchhaltung stark betont, wurden und werden in der recht umfangreichen Forschungsliteratur zur mittelalterlichen Buchhaltung zumeist andere Gründe als Motiv für das Schreiben von Geschäftsschriften genannt. In der Tat ist es nicht ganz einfach, den Beweggründen der Kaufleute für die Anlage ihrer Rechnungsbücher nachzuspüren. Ihre Briefe geben nur sporadisch Auskunft; zu einem expliziten Thema der Traktatliteratur ist die Buchhaltung erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts geworden, und auch hier werden den Büchern zumeist mehrere, ganz unterschiedliche Funktionen zugewiesen. Man hat daher lange Zeit jene Funktion, die dem Rechnungswesen in modernen Handelsunternehmen primär zugeschrieben wird, nämlich am Jahresende schnell und vor allem zuverlässig den Erfolg der Unternehmung auszuweisen, auch als das erste Ziel der Buchhaltung der italienischen compagnie des Mittelalters betrachtet. In der hiermit zusammenhängenden Diskussion um die doppelte Buchführung, die an dieser Stelle nicht referiert werden soll, ist dagegen insbesondere von der angelsächsichen Forschung immer wieder darauf verwiesen worden, daß bei der Ermittlung von Gewinnen und Verlusten die Buchhaltung lange Zeit nicht die zentrale Rolle gespielt hat, die ihr heute zukommt. Dieser Hinweis hat die Diskussion um die ursprünglichen Funktionen mittelalterlicher Rechnungsbücher wieder ein Stück weit zu öffnen vermocht. Neben der Gewinnermittlung werden weitere Funktionen genannt, darunter das Festhalten von Gläubigern und Schuldnern, und vor allem die gegenseitige Kontrolle und Überwachung von Geschäftspartnern und Angestellten, ohne daß ein Abwägen oder eine Hierarchisierung dieser Antriebsmomente erfolgt wäre.

In dieser Arbeit wird Buchhaltung zunächst einmal als Teil eines breiten Verschriftlichungsprozesses betrachtet, der gerade in Italien seit dem 11. Jahrhundert die verschiedensten Lebensbereiche erfaßte und zu durchdringen vermochte. Gerade in der Buchhaltung mittelalterlicher Handelsgesellschaften erscheint 'Schrift' aber nicht in einer beliebigen, alle Möglichkeiten des Mediums ausschöpfenden Form; es lassen sich vielmehr klare Grenzen der Nutzung feststellen, die zum Teil materiell, zum Teil kulturell bedingt sind. Wenn hier von 'Schrift' die Rede ist, so meint dies zunächst einmal den mit Feder und Tinte in einem Buch eingeschriebenen Text. Anders als heute, wo verschiedene Speichermedien für das Fixieren von Texten zur Verfügung stehen, bestanden zu dieser Art des Schreiben für die Kaufleute keine wirklichen Alternativen. So banal dies vielleicht klingen mag, so hatte es doch weitreichende Folgen für den Umgang mit dem Aufgeschriebenen. Denn der auf diese 'mittelalterliche' Weise festgehaltene Konteneintrag ist Ergänzungen, Änderungen oder Neuordnungen so gut wie gar nicht zugänglich; will oder muß man ihn dennoch bearbeiten, bleibt nur das erneute Abschreiben. Es wird noch zu zeigen sein, daß in dieser mangelnden Flexibiltät der in einem Rechnungsbuch vermerkten Posten ein wesentliches Moment für die spezifische Ausformung mittelalterlichen Buchhaltens zu sehen ist.

Neben diesen allein aus den materiellen Gegenbenheiten herzuleitenden Begrenzungen gab es darüber hinaus aber auch noch kulturelle Hürden, die einem flexibleren Gebrauch von Schrift im Wege standen. Denn die Kaufleute nutzten nicht einfach 'die Schrift' in der eben dargestellten Weise, sie griffen vielmehr auf ein ganz bestimmtes Modell des Schriftgebrauchs zurück, wie es in der Gesellschaft des Mittelalters vorherrschend war. Bestehen heutige Rechnungsbücher vornehmlich aus tabellarisch angeordneten Zahlenkolonnen, die nur dann Sinn machen, wenn man die räumliche Anordung der Zahlen miteinander in Beziehung setzt, benutzten im Gegensatz dazu die mittelalterlichen Fernhändler einen vollständigen Text, bestehend aus ganzen Sätzen, für das Vermerken von Geschäftsvorgängen. Dieser Text wurde allerdings sehr geschickt in ein dreispaltiges Seitenformular umgebrochen, so daß wichtige Einzelinformationen an prominenter Stelle plaziert waren und schnell erfaßt werden konnten. Obwohl die Kaufleute durchaus Tabellen zu erstellen und zu lesen wußten, also räumliche Bezüge auf dem Blatt sinnvoll interpretieren konnten, und eine Nutzung dieser Schreibform sicherlich eine Reihe von Vorteilen geboten hätte, verwandten sie diese Technik in ihren Rechnungsbüchern nicht. Hier wird deutlich, daß das Erlernen von Schrift nicht dazu führt, es sofort in all seinen Möglichkeiten anzuwenden. Es scheint vielmehr so, daß Schrift immer in bestimmten Modellen angeboten und rezipiert wird, und es war offenbar nicht leicht, sich über diese Modelle hinwegzusetzen.

Quelle: https://www.uni-muenster.de/Geschichte/MittelalterSchriftlichkeit/ProjektA/datini.htm

Vorgehensweise:

Die doppelte Buchführung bzw. Doppik – auch kaufmännische Buchführung genannt – ist die in der privaten Wirtschaft vorherrschende Art der Finanzbuchhaltung.

Europa kennt die doppelte Buchführung spätestens seit 1494 durch ein Buch des italienischen Franziskanerpaters Luca Pacioli. Man spricht von „doppelter“ Buchführung, weil jeder Geschäftsvorgang in zweifacher Weise erfasst wird. In einem Buchungssatz wird grundsätzlich Soll an Haben gebucht und damit jeder Geschäftsvorfall doppelt erfasst, jedoch auf verschiedenen Konten. Es wird zeitgleich jeweils genau der gleiche Wert im Soll und im Haben gebucht.


Eine andere Auslegung des Begriffs „Doppelte Buchführung“ sieht die Duplizität darin, dass der Erfolg eines Unternehmens auf zweifache Art nachgewiesen werden kann:

Nach einer dritten Auslegung wird der Begriff von den beiden Büchern abgeleitet, in denen jeder Geschäftsvorfall erfasst wird. Das Grundbuch (Journal, Sozialversicherungen: Zeitbuch) hält die Buchungen in zeitlicher Folge fest, im Hauptbuch (Kontenblätter, Sozialversicherungen: Sachbuch) erfolgt eine sachliche Zuordnung durch das Buchen in Konten.

Bilanz

Der Begriff Bilanz stammt vom italienischen „bilancia“ und bedeutet übersetzt Waage. Die Bilanz ist die Darstellung der Vermögenswerte – der Aktiva – einerseits und die Darstellung der Finanzierung – der Passiva – andererseits. Aktiva sind solche Vermögensformen, die ein Unternehmen „aktiv“ einsetzen kann, unabhängig davon, ob diese selbst finanziert wurden oder nicht. Vereinfacht gesagt: Die Aktivseite drückt aus, welches Vermögen vorhanden ist. Die Passivseite zeigt, wie dieses Vermögen finanziert wurde, also die Herkunft des Kapitals; entweder durch eigenes Geld (Eigenkapital) oder durch Schulden (Verbindlichkeiten). Der Kapitalgeber kann die Richtung der Geschäftstätigkeit mitbestimmen, im Vergleich zum Geschäftsführer verkörpert er aber dennoch die passive Seite.

Aussagen der beiden Seiten der Bilanz
Aktiva Passiva
Formen des Vermögens   Herkunft, Quellen der Finanzierung
Worin investiert?   Wie wurde finanziert?
Wie wurden die Mittel eingesetzt?   Woher stammen die Mittel?


Früher war die Detailliertheit der Bilanz dem Kaufmann überlassen – es hatte sich eine Art allgemeine, gesellschaftliche Übereinkunft herausgebildet. In Deutschland ist das genaue Vorgehen heute in § 266 Abs. 2 und 3 HGB gesetzlich geregelt. Die dort enthaltene Bilanzgliederung ist zwar nur für große und mittelgroße Kapitalgesellschaften und bestimmte Personengesellschaften (§ 264a HGB) vorgeschrieben. In der Praxis hat sich diese Gliederung aber für alle Personengesellschaften und Einzelunternehmen durchgesetzt, wobei häufig die Positionen noch weiter komprimiert werden.


Unter dem Stichwort Bilanz ist die Bilanzgliederung nachzulesen. Beide Seiten der Bilanz sind sortiert, und zwar:

  • die Aktivseite aufsteigend nach „Flüssigkeit“ (Liquidität): Vermögenswerte, die sich am schwersten in Bargeld verwandeln lassen (zum Beispiel Grundstücke), stehen oben, die dem Geld am nächsten stehenden Vermögenswerte (Kassenbestand, Bankguthaben) unten.
  • Die Passivseite aufsteigend nach „Fälligkeit“: Oben die Finanzierungsquellen, die dem Unternehmen längerfristig zur Verfügung stehen, unten die kurzfristigen Verbindlichkeiten.

Zusammenhang zwischen Bilanz und Inventar

Eine Bilanz wird dem Unternehmer, eventuellen Geldgebern und den Finanzbehörden die notwendigen Informationen nur dann liefern, wenn die darin enthaltenen Werte der Wahrheit entsprechen. Das wird mit dem Inventar gesichert.

Auch beim Inventar fallen die Informationserfordernisse des Unternehmers mit denen äußerer Interessenten zusammen. Der Gläubigerschutz gebietet dem mit Fremdmitteln arbeitenden Kaufmann, dass er sein Vermögen und seine Schulden genau beziffert. Er darf in die Bilanzpositionen nicht einfach irgendwelche geschätzten Werte eintragen. Jeder Wert muss durch das Inventar belegbar sein. Daher wird ihm die Pflicht zur Aufstellung eines Inventars auferlegt:

„Jeder Kaufmann hat zu Beginn seines Handelsgewerbes seine Grundstücke, seine Forderungen und Schulden, den Betrag seines baren Geldes sowie seine sonstigen Vermögensgegenstände genau zu verzeichnen und dabei den Wert der einzelnen Vermögensgegenstände und Schulden anzugeben.“

Konten und Buchungen

Kontensystem

Bevor Werte in die Bilanz oder Gewinn- und Verlustrechnung einfließen, werden im laufenden Geschäftsverkehr die Finanzen eines Unternehmens auf Konten erfasst. Ein Konto ist eine Tabelle mit zwei Spalten: Einer Soll- (S) und einer Habenseite (H).

Soll“ ist immer links, „Haben“ ist immer rechts:
Konto allg.svg

Früher, als die Konten noch in gebundenen Büchern geführt wurden, verwendete man zur Kontendarstellung das so genannte T-Konto. Die Darstellung ähnelt grafisch dem Buchstaben T. Heute hat das Konto ein anderes Aussehen, aber immer noch die Darstellung mit Soll und Haben. Die Wörter „Soll“ und „Haben“ sind dabei ohne inhaltliche Bedeutung und historisch bedingt. Es geht also nicht um „etwas haben“ oder „etwas, das sein soll“. Besonders der Begriff „Haben“ wird oft falsch verstanden: Er bedeutet nicht „Besitzen“; er ist aus der Funktion des Lieferantenkontos zu erklären. Auf der rechten Seite dieses Kontos wurde nach dem Prinzip „Wir HABEN zu bezahlen!“ der entsprechende Betrag eingetragen. Auf der linken Seite des Kundenkontos wurde eingetragen „Der Kunde SOLL bezahlen!“ – deshalb also „Soll“ als linke Seite eines Kontos.

Der Buchhalter unterscheidet Bestandskonten und Erfolgskonten:

  1. Bestandskonten nehmen Bestände an Gütern und Geld auf, also erfolgsneutrale Zustände.
    1. Aktive Bestandskonten halten das Vermögen fest. Alle finanziellen Mittel, die einem Unternehmen zur Verfügung stehen, sind in einer bestimmten Form vorhanden: zum Beispiel als Grundstücke, Maschinen, Vorräte und Bargeld, aber auch als Forderungen oder immaterielle Vermögensgegenstände wie Lizenzen. Auf den Aktivkonten wird also die Kapitalverwendung aufgezeichnet. Die Zugänge werden im Soll, die Abgänge im Haben gebucht.
    2. Passive Bestandskonten erfassen die Verbindlichkeiten oder „Schulden“. Das Vermögen eines Unternehmens wird aus Mitteln der Eigentümer und Gläubiger gebildet: zum Beispiel der Gesellschafter, Aktionäre, Banken oder Lieferanten. Die Passivkonten zeichnen also die Herkunft des Eigen- und des Fremdkapitals auf. Die Zugänge werden im Haben, die Abgänge im Soll gebucht.
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  2. Erfolgskonten nehmen erfolgswirksame Vorgänge auf. Erfolg ist in der Buchführung ein neutraler Begriff und bezeichnet sowohl Gewinn als auch Verlust.
    1. Aufwandskonten werden verwendet, um die Minderung des Eigenkapitals festzuhalten. Aufwand bedeutet „Werteverzehr“, also zum Beispiel den Verbrauch von Material, Personalkosten, Zinsen oder Abschreibungen. Die Zahlung einer Lieferantenrechnung ist dagegen kein Aufwand, sondern der Abgang einer Verbindlichkeit. Ein Aufwand wird immer im Soll gebucht.
    2. Ertragskonten werden mit „Wertzuflüssen“ gebucht, die das Eigenkapital erhöhen. Die wichtigste Ertragsart in einem Unternehmen sind in der Regel die Umsatzerlöse. Die Zahlung eines Kunden ist dagegen kein Ertrag, sondern der Abgang einer Forderung. Erträge werden immer im Haben gebucht.
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Die Konten sind in einer systematischen Reihenfolge angeordnet (Kontenplan). Die modernen Systeme, die sich nach einem der empfohlenen Kontenrahmen richten, entsprechen der Bilanzgliederung. Die Konten tragen Nummern, die sofort erkennen lassen, wie sie in das Bilanzsystem eingeordnet sind.

Wie wir reich wurden- Im Namen Gottes und des Profits

Francesco Datini war ein reicher Kaufmann aus der Toskana. Er war es auch, der dem Markt seine theologische und moralische Legitimation verlieh.                                        

© Scala Francesco Datini war Selfmademan der Renaissance und ein Prototyp des modernen Kaufmanns

"Lass jeden Freund wissen, in welch elender Lage ich bin", schrieb Francesco di Marco Datini in einem Brief aus dem Jahr 1394 an Monna Margherita, seine Frau. "Erzähle ihnen, dass sich auf den vier oder fünf Galeeren von uns, die auf hoher See gekapert wurden, mehr als die Hälfte unserer Habe befand."

Rainer Hank Folgen:

Datini (1335 bis 1410) hatte nicht wirklich gelogen. Womöglich hatte er ein bisschen übertrieben. Glänzend wie immer verstand er es, selbst noch aus seinem Unglück einen Vorteil zu ziehen. Die Klage verfolgte nämlich nur den einen Zweck, für ärmer gehalten zu werden, als er war, um dadurch ordentlich Steuern zu sparen.

Zweigniederlassungen im gesamten Mittelmeerraum

Datini, ein Selfmademan der Renaissance, ist der Prototyp des modernen Kaufmanns. Dass wir gerade über ihn, den Kaufmann aus Prato und Florenz, so viel wissen, liegt an den über 150.000 Briefen, die von ihm überliefert sind. Datini war Tuchhändler, Bankier und Spekulant. Er hat es zu unbeschreiblichem Wohlstand gebracht, ein erstes globales Unternehmen mit Zweigniederlassungen im gesamten Mittelmeerraum gegründet und die Künste zu großer Blüte geführt. Und er hat eine Stiftung für die Armen eingerichtet, die heute noch existiert. Seinen Erfolg verdankte Datini schöpferischem Unternehmergeist und einem Wagemut, der, wie seine Biografin Iris Origo bemerkt, stets im rechten Augenblick durch Klugheit und Misstrauen gegenüber seinen Mitmenschen gezügelt wurde.

Tatsächlich vollzieht sich in Norditalien im späten Mittelalter und der frühen Renaissance eine Umwertung der bis dahin geltenden Werte, die dem sich entfaltenden globalen Handel der damaligen Welt seine moralische und theologische Legitimation verschaffte. Ein gutes Gewissen gab den Kapitalisten den nötigen Rückhalt und inneren Antrieb für ihre geschäftlichen Abenteuer. Das schlechte Gewissen, welches das Christentum seit seinem Sieg unter Konstantin unter die Reichen gestreut hat, hatte dagegen stets als Wohlstandsbremse gewirkt.

Im Namen Gottes und des Geschäfts

Mit Datini war es schon anders: Als harter Geschäftsmann holte er sich seine Goldgulden, wo er konnte. Aber gleichzeitig versäumte er es nie, seinen religiösen Pflichten nachzukommen. Das war nicht nur ein äußerlicher Tribut an die religiösen Konventionen seiner Zeit, sondern Ausdruck einer inneren Überzeugung, wonach christlicher Glaube und wirtschaftlicher Erfolg einander mehr bedingen als widersprechen. Jeder Handel wurde abgeschlossen "cho'l nome di Dio e di ghuadagno": im Namen Gottes und des Geschäfts.

Das Florentiner Zeitalter der Industrie und des Handels verstand sich mindestens so sehr im Einklang mit dem Auftrag des Schöpfers, wie es sich von der mittelalterlichen religiösen Tradition absetzte. So hart wie Gott gearbeitet hatte, um seine Schöpfung so gut wie möglich - also perfekt - zu machen, so sehr sollten auch die Florentiner Kaufleute sich anstrengen, um am Ende dafür die gerechte Belohnung zu erhalten. Kaufmännische Arbeit ist Nachahmung des göttlichen Schöpfungsaktes und also gut und gottgefällig.

Schulden wurden positiver gedeutet

Die Jahre nach 1400 sind die Achsenzeit der europäischen Wohlstandsgeschichte. Hier ist die Antwort zu finden auf die Schicksalsfrage, warum einige Nationen reich, andere aber arm geblieben sind. Jetzt wurde der biblische und mittelalterliche Diskurs, der den Reichtum diskreditierte ("eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, ...") und die Händler schlecht machte, umgewidmet in eine positive Rhetorik, wonach es gleichermaßen Aufgabe und Pflicht der Kaufleute sei, "reich zu werden und ehrenwerte Leute zu sein".

Zentrale Deutungsarbeit dieser rhetorischen Umwertung kam der positiven Darstellung der Schulden zu, wobei feinsinnig das Verbot des Zinsnehmens (oder Wuchers) unterlaufen wurde. Dies erst bot den Hebel zum Wohlstand. Dass die (reiche) Kirche der Renaissance selbst auf ökonomischen Sachverstand bei der Verwaltung ihrer Güter angewiesen war, erleichterte den Prozess der Legitimation des Kapitalismus gewiss.

Das Gemeinwesen muss auch profitieren

Um nicht den Bruch mit der religiösen Tradition zu riskieren, war die Herausbildung einer ehrbaren Kaufmannsethik für frühe Kapitalisten wie Datini geradezu essentiell. Der Geist des Kapitalismus entspringt gewiss jenen Tugenden der Askese, die Max Weber dem Protestantismus zuschreibt. Aber er speist sich auch aus jenem Welten erobernden Abenteurertum des Kaufmanns, seinem Wagemut und seiner Jagd nach Reichtum, wie er sich im renaisansistischen Katholizismus des 14. und 15. Jahrhunderts herausgebildet hat. Es ging um die Legitimation des guten Gewissens, wonach man erfolgreicher Kaufmann, Spekulant und guter Christ zugleich sein könne und sich nicht schämen müsse, dies zu zeigen, solange nur das Gemeinwesen, seine Künste und seine Wissenschaften profitieren.

Datini gehört im Vergleich mit christlicher Antike und christlichem Mittelalter in eine neue moderne Welt, die Unternehmertum, Gewinn und Reichtum moralisch nicht mehr verwerflich findet. Zugleich zählt er aber aus der (womöglich verklärten) Perspektive des frühen 20. und 21. Jahrhunderts zu einer alten Welt, in welcher Bildung und Besitz, unternehmerische Risikofreude und fromme Religion, Eigennutz und Orientierung am Gemeinwohl noch eins waren.

Die Einheit von Kapitalismus und Moral zerbrach

Diese Einheit von Kapitalismus, Moral, Wissenschaft und Kunst wurde im Lauf der Zeit immer brüchiger. Mitte des 19. Jahrhunderts ist sie dann zerbrochen. Jetzt kommten dem Kaufmann die Kultur und Moral abhanden, und der Intellektuelle bemächtigt sich ihrer, um daraus eine Waffe gegen den Wirtschaftsmann zu schmieden. Alle Rhetorik des Antikapitalismus, der Soupçon gegen Reichtum, Erfolg und Erwerbstrieb, um die es seit der Renaissance still geworden war, wird plötzlich wiedererweckt.

Der Kaufmann bleibt zurück, stumm und sprachlos, gefangen im "nur" Ökonomischen, wo es ihm zunehmend schwer fällt, einen Begriff von Zweck und Ziel zu finden. Der Bildungsbürger aber, umso beredter, kehrt seinem Alter Ego den Rücken und macht sich zum Anführer seiner Gegner. Der Intellektuelle ist von nun an habituell links; sein Ressentiment bedient sich aus dem Arsenal christlichen Reichtumskritik, die von Leuten wie Datini schon einmal überwunden worden war.

Wappen der Familie Pepersack
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Der nächste Termin:28.4.2017
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