1367- Die Schlacht bei Dinklar-Farmsen

Am 1. September des Jahres 1367 fiel der Herzog von Braunschweig mit Verbündeten raubend und plündernd in das Bistum Hildesheim ein. Am 3. September kam es zu einer Schlacht, der Schlacht bei Dinklar.

 

Die zeitidentische Chronik berichtet nur kurz aber erstaunt. Die Tatsache, daß nahezu der gesamte Adel, Klerus und die Städte nördlich des Harzes an diesem Tag in einer Schlacht aufeinandertrafen, erstaunt noch heute. Wunderglauben verbreitete sich mit dem Ausgang der Schlacht - die schwächere Seite siegte: der Bischof zu Hildesheim, Gerhard von Berge, schlug eine übermächtige Allianz!

 

Herzog Magnus (der Ältere) von Braunschweig, die Hauptleute des Bischof von Magdeburg und des Bistum Merseburg (Dietrich Kagelwit), der Erzbischof von Halberstadt, Albert von Rickmersdorf, die Grafen Waldemar und Heinrich von Anhalt, Graf Günter von Barby, die Edlen Otto und Hans von Hadmersleben, waren auf einem Kriegszug gegen den Bischof Gerhard bis vor die Stadt Hildesheim gelangt.

 

Das Heer dieser Verbündeten hatte sich bei Braunschweig gesammelt und war dann zwei Tage durch das Hochstift Hildesheim gezogen. Das Land wurde geplündert und verheert.

 

Am Freitag, dem 3. September griffen die Hildesheimer unter persönlicher Führung ihres Bischofs die Lagernden bei Farmsen überraschend an. Die Gegenwehr erfolgte ungeordnet und ging in eine Massenflucht über ...

Quelle/Info:http://www.nickolai.de/hildesheim/dinklar/index.html

Die Streithähne

Magnus I(1304-1369)
Magnus I(1304-1369)

Die Welfen.......

 

...und ihr Beinaheuntergang 1180-85 sowie die Versuche, “das Welfenreich” wieder herzustellen.

Nun ja, die Zeit von 1180 - 85 war für die Welfen unter Heinrich dem Löwen nicht besonders ruhmreich. Nach einer beachtlichen Machtfülle, die Heinrich zwischen 1142 und 1176 erreicht hatte, erscheint seine Entmachtung durch den Kaiser Barbarossa 1180 eher demütigend. Und 1185 ging er nicht unbedingt freiwillig zum Schwiegervater nach England ins Exil.

Der Sohn Heinrich des Löwen’s, Otto IV., wurde dann zwar deutscher König (1198) und Kaiser (1209), aber wirklich “Weltpolitisches” kam da eigentlich nicht bei raus.

Der Hang zu Macht und Besitz aber blieb den Welfen. Und so versuchten sie immer wieder, nicht unbedingt sehr erfolgreich (sieht man mal von der britischen Linie (Haus Hannover) ab), sich den ihnen vermeintlich zustehenden Anteil “wiederzubeschaffen”.

So auch der Welfe Magnus I. (1304-1369, genannt der Fromme).

Magnus I. mußte sich das väterliche Erbe, das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg, mit seinen beiden Brüdern teilen. Er bekam das (Teil-) Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel und führte während seiner Regentschaft viele Fehden. Unter anderem wurde er dann auch in die Schlacht von Dinklar verwickelt.

Während seiner Regentschaft gelang es der Stadt Braunschweig immer mehr sich von den Machtbefugnissen des Herzogs zu befreien.

Na ja, und dann das Desaster bei Dinklar, bei dem er auch noch in Gefangenschaft geriet. Ärgerlich, da das den Herzog ein erhebliches Lösegeld kostete, wo er doch sowieso schon knapp bei Kasse war. Und eigentlich war er doch unterwegs gewesen, um mindestens seine Finanzen aufzubessern. Dumm gelaufen.

Und wer waren seine Verbündeten?

Nun, hier wäre zunächst die hohe Geistlichkeit zu nennen, der Erzbischof von Magdeburg und gewissermaßen dessen Nachbar, der Erzbischof von Halberstadt, die auch so ihre Gründe hatten, sich an solchen Raubzügen zu beteiligen (schließlich gab es damals ja auch noch keine Kirchensteuer).

Dann gab es noch eine ganze Schar von Rittern, die dem Herzog oder den Bischöfen verpflichtet waren (auch unter den damaligen Herrschern muß es schon einen beachtlichen Filz gegeben haben!), oder die “auf eigene Rechnung” auch mal dazwischen hauen wollten.

 


 

die Verbündeten....

Schlußstein des Kreuzrippengewölbe im Stendaler Rathaus
Schlußstein des Kreuzrippengewölbe im Stendaler Rathaus

Im Zusammenhang mit der Schlacht von Dinklar werden auf der Seite des Herzogs Magnus I. zwei Bischöfe genannt:
 
 Der Erzbischof von Magdeburg, Dietrich von Portitz (* um 1300, † am 17.12. 1367), genannt Dietrich Kagelwit)

Dietrich war der Sohn eines Gewandmachers aus der Familie von Portitz, trat in den Zisterzienserorden ein und wurde Schaffner in dem Kloster Lehnin in der Mark Brandenburg, bevor er seine eigentliche Karriere im Dienste von Staat und Kirche begann.

1361 wurde er auf Wunsch von Kaiser Karl IV. (1316-1378) vom Papst Innozenz VI. (1352-1362) zum Erzbischof von Magdeburg erhoben.

Dietrich brachte die Finanzen des Erzbisturns wieder in Ordnung.

Unter ihm fand 1363 die feierliche Schlußweihe des neu gebauten Domes statt in dem er auch 1367 bestattet wurde.

 

Der Name Kagelwit (Kugelweit) bezieht sich auf eine weiße Kapuze, die er als Zisterziensermönch trug.

Auffallend ist sein Todestag im Dezember 1367, also relativ kurze Zeit nach der Schlacht von Dinklar.

 

Eine nette Sage über Dietrich stammt aus dem Kloster Lehnin:

So soll Kaiser Karl IV. eines Tages an die Pforte des Zisterzienserklosters geklopft haben.

Der hohe Herr war mit einer Jagdgesellschaft unterwegs und verlangte, von den Mönchen verköstigt zu werden.

Doch das Fleisch war rar. Der Abt wollte weder den Kaiser vergraulen noch die Vorräte schmälern und bat seinen Kellermeister Dietrich Kagelwit um Rat.

Kräftig müsse die Suppe sein, nur die Schweine dürften nicht geschlachtet werden, bestimmte der Abt.
Kagelwit griff zum Messer und ging in den Stall. Die Suppe, die er zubereitete, war ein Volltreffer, der Kaiser begeistert und der Abt entsetzt. Doch Kagelwit beruhigte seinen Chef und führte ihn in den Stall. Siehe da: Der Kellermeister hatte den Tieren bloß die Ohren abgeschnitten.

Der Kaiser war von Kagelwit dermaßen hingerissen, daß er ihn auf seinen Hof nach Prag holte.
 

 Albert, Bischof von Halberstadt, Albert von Rickmersdorf (* um 1325 in Rickmerstorf, † 8. Juli 1390 in Halberstadt), gewöhnlich Albertus de Saxonia genannt.

 

Als Bauernsohn eine Karriere als Gelehrter, Philosoph und Kirchenfürst zu machen, war auch im Mittelalter nicht alltäglich.

Ein Studium an einer Universität war damals den Adligen vorbehalten. Albert fiel dem Dorfpriester durch seine Begabung und Lernfreudigkeit auf.

Der Geistliche setzte sich bei seinen Vorgesetzten für ein Studium der Geisteswissenschaften ein.

Mit Erfolg, denn Albert machte dann eine bemerkenswerte Karriere.

Nach Studien in Magdeburg und Erfurt wurde er als Albert von Sachsen 1353 Rektor an der berühmten Pariser Universität (Sorbonne). Später wirkte Albert in Wien und war mehr als ein Jahr lang Gründungsrektor der am 12. März 1365 von Herzog Rudolf IV. von Österreich gestifteten Wiener Universität.

 

Am 21. Oktober 1366 wurde er von Papst Urban V. als Albrecht III. zum Bischof von Halberstadt ernannt, was er bis zu seinem Tode am 8. Juli 1390 blieb. Albert wurde in der Mitte des Halberstädter Doms begraben.

Albrecht war bei aller Wissenschaftlichkeit ein sehr volksnaher Kirchenfirst. Es ist schwer vorstellbar, daß er an dem Raubzug, der der Schlacht bei Dinklar vorausgegangen ist, teilgenommen haben und dort in Gefangenschaft geraten sein soll.
 

auf der anderen Seite, die Hildesheimer...

Bischof Gerhard von Berge
Bischof Gerhard von Berge

Gerhard von Berg war Bischof von Hildesheim von 1365 bis zum 15. November 1398.

Gerhard stammte aus dem Hause der von Berge, die bei Minden ihren Sitz hatten.

Er war Domkantor, dann Domdechant in Minden, später Bischof von Verden (1363-1365).

Er wird als sehr kirchentreu, umsichtig, entschlossen mit kluger Mäßigung, mit großer Hirtensorge und Tapferkeit im Felde beschrieben.

 

Die Streitmacht des Bischofs von Hildesheim:

Anscheinend hatte die Stadt Hildesheim zu dieser Zeit ein gut organisiertes Wehrwesen. Vorhergehende Jahrzehnte forderten eine stete Kriegsbereitschaft.

 

Die Bürgerschaft war mit benachbarten Städten wie Goslar und Hannover verbündet. Die 1332 geschehene Niedermetzelung der flämischen Vorstadt am Damm durch Hildesheimer Bürger, sucht an brutaler Aggressivität ihresgleichen .

 

Diese Stadt war nicht friedfertig. Jeder Bürger, der eine Waffe tragen konnte, hatte je nach Vermögen maximal gerüstet zu sein.

Für die Unbemittelten stellte die Stadt ein Arsenal zur Verfügung, das wohl stets aus Beutestücken und Erblass bereichert wurde. Im Eigentum des Rates befanden sich eine Anzahl Armbrüste.

Diese waren 1367 an die Domherren verteilt worden und könnten bei der Schlacht eine Rolle gespielt haben!

 

Die Wehrbereitschaft wurde jährlich in regelrechten Musterungen auf Marktplätzen überprüft. Die Schüler des Klosters St. Andreas hatten dabei Vollständigkeitslisten zu führen. Für Versäumnisse waren Geldstrafen festgelegt. Reihum hatte auch jeder Bürger Wachdienst auf den Mauern. Anreize gab es für die Anschaffung einer Armbrust in Form eines Zuschusses.

 

Jeder Bürger war aber auch zur „Utjacht" verpflichtet, also zum Kriegszug außerhalb der Stadt.

Dafür mußte er den sogenannten „Pfühl" und einiges Feldgerät vorweisen können, um übernachten zu können. Allerdings waren die Bürger nur „so lange die Sonne scheint" für den Ausmarsch verpflichtet. Und sie bestanden darauf, bevorzugt als erste gespeist zu werden.

Zwei Ratsherren hatten mitzureiten und jede kriegerische Aktion zu beurteilen, notfalls dem Stiftshauptmann umzustimmen.

Die Stadt besaß eine Anzahl „Stridwagen".

 

Bei der Schlacht von Dinklar fiel den Wehrbürgern eine entscheidende Rolle zu. Ganz neu war der Treueid, den sie erstmals einem Bischof geschworen hatten.

 

Den Vorgängern von Bischof Gerhard ist dieser Eid verweigert worden.

 

An “externer” Unterstützung wird auf Seiten der Hildesheimer der Kleriker Bodo von Oberg als Kriegsheld verklärt ..... allerdings erst Jahrzehnte später.

Die von Schwichelt, von Steinberg und Oberg hatten nahmhafte Gefangene gemacht und stehen damit als Kampfteilnehmer fest. Verluste wurden nicht erwähnt.

 

Eine Hildesheimer Sage rankt sich um die Schlacht ihres Bischofs:

DER URSPRUNG DES GOLDENEN DOMTURMS ZU HILDESHEIM

“Herzog Magnus von Braunschweig fiel im Jahre 1367 mit einem großen Heere und mächtigen Bundesgenossen in das Stift Hildesheim ein und verheerte das ganze Land aufs furchtbarste. Da sammelte der Bischof Gerhard seine streitbaren Männer um sich und zog, auf sein Recht und die Heilige Jungfrau vertrauend, mutig dem bei weitem überlegenen feindlichen Heere entgegen. «O Heilige Jungfrau», rief der Bischof, als er an der Spitze seiner Mannen einherzog, «heute kommt es auf dich an, ob du unter einem Strohdache oder unter einem goldenen Dache wohnen willst; siegen die Feinde, so werden sie den Wohlstand der Stadt und der Kirche vernichten und wir werden nicht mehr die Mittel haben, deinen Tempel würdig zu schmücken, gibst du uns aber den Sieg, so fällt großes Gut in unsere Hände, und dann sollst du unter einem goldenen Dache wohnen!»

 

Als nun die Truppen des Bischofs in der Gegend von Dinklar den übermächtigen Feind in seiner Siegesgewißheit jubelnd heranrücken sahen, da wurden viele verzagt, aber Gerhard richtete ihren Mut wieder auf und rief, indem er seinen linken Ärmel schüttelte:

«Liebe Leute, trauert nicht, hier habe ich noch tausend Mann in meinem Ärmel!» Der Bischof hatte nämlich das größte Heiligtum der Stadt, das von Ludwig dem Dome vermachte Reliquiengefäß, in seinem Ärmel.

 

Nach diesen Worten ihres Führers waren die Krieger gewiß, daß die Hilfe der Heiligen Jungfrau mit ihnen war, gewaltig andrängend setzte das kleine Häuflein in den mächtigen Feind, und nach kurzem Kampfe bedeckten 1500 Feinde, unter ihnen viele Ritter und Edle, die Wahlstatt.

Was von den Feinden noch auf den Beinen war, suchte sein Heil in der Flucht, und das ganze Lager fiel mit seinen Schätzen in die Hände der Hildesheimer. Von diesem Gute nun ließ der Bischof, seinem Gelübde getreu, das goldene Dach machen, welches noch heute den östlichen Domturm schmückt.”

 

das Schlachtfeld

Der Lagerplatz wurde wohl schon frühzeitig von ortskundigen Braunschweigern festgelegt.

 

Es war ein leicht erhöhtes, trockenes Areal nördlich der Straße zwischen den Weilern Farmsen und Dinklar. Der Klunkaubach schlug hier einen großen Bogen nach Norden, einem Hufeisen ähnlich, an dessen offenen Schenkelenden die beiden Häusergruppen lagen.

Mit den Gebäuden gewann man Eckbollwerke, und die tiefeingeschnittene Klunkau bildete einen Wehrgraben.

 

Dinklar hatte um 1330 eine Burg, die durch die Auflage der Dammsühne (Sona Dammonis) geschleift werden sollte.

Gleichartige Beschlüsse zur Burgenzernierung sind z.B. im Fall Oberg, Wilkenburg und Cramme nicht wirkungsvoll zur Ausführung gekommen.

 

Bischof Heinrich hatte den Vertrag zum Abbruch kaum befolgt, da er anschließend die Marienburg erbaute, um Hildesheim auch im Süden zu kontrollieren.

Noch 1750 war der Burghügel mit Graben in Dinklar existent. Zumindest war die Burgstelle ein schnell zu befestigendes Bollwerk, welches die Klunkaubrücke auf der Heerstraße nach Bettmar beherrschte.

 

Vermutlich reservierte sich der Bischof von Halberstadt seinem Rang nach bereits im Lager zu Braunschweig den relativ bequemen Ort als Quartier.

 

Daraufhin wird wohl der schon etwas ältere Herzog ein Quartier mit festem Dach in Farmsen gefordert haben.

Für die anderen Verbündeten bot das durch die Klunkau geschützte Lager reichlich Platz. 2000 Pferde und das erbeutete Vieh hatten Weide und Wasser für viele Tage.

 

Auch der Zuzug des Herzog Albrecht von Grubenhagen hätte dort noch Raum gefunden.

Wenn die Wagen und Karren entlang der Heerstraße zwischen beiden Orten dicht auffuhren, wurde das Lager nach Süden geschlossen und bildete eine Festung, die dem Angriff einer doppelten Übermacht ruhig entgegensehen konnte.

 

Hier konnte man Beute sammeln, die Stadt durch Vorstöße beunruhigen und warten, ob der Bischof die Herausforderung annahm.

 

Von Dinklar aus war es möglich, jede Annäherung feindlicher Reiter vom Westen über Bettmar rechtzeitig zu erkennen.

 

Auch Vorposten ließen sich dort einquartieren. Diese naheliegende Angriffsrichtung sperrte das verbollwerkte Dinklar mit seinen festen Höfen und einer wasserumgebenen Burgstelle.

 

Nördlich umschloß der tiefe, breite Klunkaugraben das Lager. Südlich erforderte die sumpfige Ilseniederung einen 7 km langen Flankenmarsch unter steter Beobachtung aus Dinklar.

 

Gegen einen Überfall der kriegstüchtigen Stiftsritter aus Hildesheim bot die Wahl des Ortes ein Maximum an Sicherheit.

Weiter gegen die Stadt vorzurücken hätte keinen Vorteil erbracht. Eine ähnlich vergleichbare günstige Stellung gab es nicht.

Soweit die Planungen und Vorbereitungen der Braunschweiger. Aber es sollte alles anders kommen ...

 

Luftbildaufnahme
Luftbildaufnahme

die Vorbereitungen werden getroffen...

Die Vorbereitungen zur Schlacht:
 
Die Braunschweiger gingen verhältnismäßig unbekümmert und nicht sehr zielgerichtet vor, sie provozierten die Hildesheimer durch Plünderungen und Verwüstungen des östlichen Hildesheimer Gebietes, bevor sie das Lager bei Dinklar bezogen. Der Bischof von Hildesheim hatte nur wenige Verbündete, schien unvorbereitet. Die meisten seiner Vasallen standen auch in der Lehensschaft der Welfen. 
  
So war wohl nur ein Verwüstungszug zur Vernichtung der Stiftsgüter und die Demütigung des Bischofs von Hildesheim die eigentliche Absicht. Der Bischof sollte gezwungen werden, das Freibeuterwesen seiner Lehnsleute zu unterbinden. Ihn empfindlich zu schädigen war das Ziel, damit er dieser Forderung nachkam. 
  
Die Hildesheimer waren durch ihr klerikales Informationsnetz bestens informiert über die Vorgänge.

Durch das riesige Heer der beutegierigen Braunschweiger muß sich jeder Hildesheimer Stiftszugehörige bedroht gefühlt haben.

 

Dem Stadtgesetz bei Kriegsgefahr entsprechend tagte der Rat der Stadt in einem Turm.

Die erfahrenen Stiftsritter schätzten die Lage ein und trugen ihren Plan der Bürgervertretung vor.

Einige Domherren hatten in Paris, Avignon und Montpellier studiert und mit Sicherheit Kenntnisse über die Schlachten von Kortrijk, Bannokburn, Laupen, Crecy und Poitiers und deren Ausgang, dort siegten Fußvolk und Schützen über die Berittenen.

Alle Überlieferungen berichten von einer ruhigen Vorbereitung in der Stadt.

Die Zeit reichte aus, um alle Gewappneten selbst von Dassel, Lutter, Winzenburg, Woldenberg, Woldenstein und Liebenburg aus in Marsch zu setzen.

 

Es blieb Zeit, die Bürger genau auf ihren Einsatz hin zu instruieren, sie mit ritterlichen Führern vertraut zu machen, an die sie sich halten sollten.

 

Die Moral wurde durch Weihe, Hochmesse, Marienanrufung, Reliquienprozession, Predigt und Sündenvergebung aufgebaut.
 

die Schlacht beginnt...

Die Schlacht
  
Mit ruhiger Zuversicht bestiegen die Hildesheimer nachts die Streitwagen.

 

Ohne Glockengeläut holperten etwa 30 Kriegswagen, gezogen von jeweils vier Pferden, besetzt mit je 20 gerüsteten, kräftigen Bürgern, westwärts.

Voran ritt der Bischof mit den Domherren, deren Pagen und Schützen.

 

Im Feld vor den Zäunen wurden die Feuer der lagernden Stiftsritter gelöscht, deren Reiter in Kolonnen schon zum Üppener Pass abrückten. Ältere Jahrgänge bezogen Wache auf Mauer und Toren.

 

Bis nach Wendhausen und Ottbergen kam der Zug ohne gesichtet zu werden.

Über der feuchten Niederung schwebten Morgennebel. Selbst wenn die Kolonne der Streitwagen zwischen Wendhausen und Ottbergen erkannt worden wäre, blieb den Lagernden nur wenig Zeit sich zu rüsten.

 

Bis dahin waren die Stiftsreiter an Farmsen vorbei und standen auf dem Windmühlenfeld, die Fluchtrichtung flankierend, ehe auch nur zwei Dutzend Schnellentschlossene aus dem verbarrikadierten Lager entflohen. 
  
In den urkundlichen Ersterwähnungen nennt sich die Schlacht nach Farmsen und nicht nach Dinklar.

Daraus folgt, daß der Kampf bei Farmsen an der östlichen Hauptlagerpforte begann.

 

Die Stelle wird heute noch als „Streitmorgen" in der Flurkarte verzeichnet.

Die Chroniken berichten von einem Angriff mit Fußvolk. Um mit aller Kampfkraft aufzulaufen, mußte das Fußvolk möglichst nahe an die Wagenburg herangebracht werden.

Es kommt leiser an die Überraschten heran, als die wiehernden Hengste mit schlagenden Steigbügeln.

 

Das freie Feld möglichst schnell zu überwinden gab eine gewisse Sicherheit, nicht von feindlichen Reitern angegriffen zu werden. Wurde ein Rückzug nötig, konnte sich das Fußvolk in das Vorholz flüchten und über den Höhenkamm ungefährdet von Reitern die Stadt erreichen.

 

Mit dem Vorstoß der Spießträger, die schließlich von den Belagerten entdeckt wurden, setzten sich auch die Hildesheimer Reiter in Trab.

 

Es galt, den Windmühlenhügel östlich von Farmsen zu gewinnen und dabei Panik zu verbreiten.

Was schon im Sattel saß, in Farmsen aufgescheucht, oder aus dem Lager hervorbrechend, wurde abgestochen, manch Vornehmer abgefangen und nach Ottbergen geschleift.

 

Die Wirkung auf die Lagernden entspricht den Erwähnungen der Magdeburger Bischofschronik: - unüberlegte gruppenweise Gegenattacken und Massenflucht.

 

Zwar bot das Lager genug Raum um Widerstand zu leisten, der aber schließlich doch gebrochen wurde. Die Masse der Braunschweiger floh ungeordnet.

Je nachdem, wo die einzelnen Bannerherren lagerten, gelang die Flucht.

 

Wenn nicht, wurden sie gefangen. So die Halberstädter, die sich zum Schluß bei der Verteidigung von Dinklar ergeben mußten und der Herzog Magnus, dem schon der erste Angriff in Farmsen jede Bewegungsfreiheit nahm.

 

Was noch aufsitzen konnte, gerüstet und halb nackt, flüchtete zum Farmser Tor, um aus der Lagerfalle zu gelangen.

Den kühlen Köpfen war sicher der Kampfplan noch gegenwärtig, - sich auf dem Windmühlenfeld zu formieren -, aber dazu mußten sie hier raus!

 

Die meisten sahen nur zu, der Gefangennahme und der drohenden Lösegelderpressung zu entkommen, was oft den wirtschaftlichen Ruin bedeutete.

 

Etliche wollten mit der an den Vortagen gemachten Beute nur noch das Weite suchen. So quoll eine Masse von Berittenen, dazwischen Gesinde zu Fuß, auf Schellerten und Dingelbe zu.

Gezielt wurde verfolgt, wer wohlhabend erschien.

 

Es muß erklärtes Ziel der Hildesheimer gewesen sein, die panische Flucht im Gang zu halten, in der man auf Lösegeld-”Kandidaten” fischen ging.

 

Wenn der Gegner in die Enge getrieben sich bis zuletzt wehren würde, kostete das viel Blut.

So waren die meisten Toten Troßknechte und Krieger, die nicht mehr in den Sattel kamen und von den Bürgern niedergemacht wurden.

 

Normalerweise wurde alles getan, um die hochgestellten Herren nicht in die Hände des Siegers fallen zu lassen, wie bei den Bischöfen und dem Herzog.

Ihr Standort im Lager ließ eine Flucht offenbar nicht mehr zu.

Wenn diese ihr Quartier, wie vermutet, in Dinklar und Farmsen bezogen hatten, die gute Verteidigung gewährleisteten, kamen sie zunächst nicht auf den Gedanken zu flüchten.

Sie wähnten sich in günstiger Abwehrstellung und mußten für diesen Irrtum im wahrsten Sinne des Wortes zahlen.

 

Für die Hildesheimer war eine weitergehende Verfolgung der Flüchtenden wegen anrückender Verstärkung durch Herzog Albrecht von Grubenhagen gefährlich.

 

Zudem zog ein Unwetter auf. Man hatte keine Reserven den eventuell plötzlich auftauchenden Reitern entgegenzusetzen.

Die gefangengenommenen Fürsten garantierten genug Lösegeld und die Erfüllung aller Hildesheimer Forderungen.

Hans von Honlege, Ludolf von dem Knesebek und Dietrich Sporeke schlugen sich nach der welfischen Burg Lichtenberg durch. Das siegverheißende Mauritius-Banner Magdeburgs wurde gerettet.

 

Hätte eine gemeinsame Autorität den Oberbefehl im Lager der Braunschweiger gehabt, hätte der Angriff abgeschlagen werden können, die Lagernden waren ja in der absoluten Überzahl.

Aber es war anders gekommen. und das hatte Konsequenzen für die Region ...

 

Die Bedeutung der Schlacht von Dinklar für die Region

 

Sie war wohl eine der bedeutendsten Schlachten des Mittelalters im norddeutschen Raum.

Unverständlich ist, daß darüber so wenig berichtet wurde und bis heute veröffentlicht ist.

Eine Niederlage an diesem 3. September des Jahres 1367 hätte für das Bistum Hildesheim schwerwiegende Folgen gehabt, vielleicht sogar das Ende des Hochstifts bedeutet.

Die geografische Lage des Bistums und seine Struktur waren äußerst labil.

 

Eingekeilt zwischen den welfischen Herzogtümern, Braunschweig im Osten, Kahlenberg im Westen und Grubenhagen im Süden, die stets bemüht waren die alten Grenzen, die noch zu Heinrich des Löwen Zeiten existierten, wieder herzustellen und einer auf ihren Vorteil bedachten Landesritterschaft, war das Bistum keineswegs in sich gefestigt.

 

Zwar hatte es im Süden in den Grafen von Wohldenberg einen verläßlichen Verbündeten, - die Grafen stellten häufig Domherren und stärkten das Bistum durch umfangreiche Schenkungen -, aber von militärischer Bedeutung konnte keine Rede sein.

Die eigenen Festen Liebenburg bei Salzgitter, Marienburg an der Innerste, Lauenstein im Iht und Poppenburg bei Burgstemmen, mußten meist aus Geldmangel verpfändet werden.

Die Ritterschaft setzte sich vornehmlich aus weitgehend autonomen Kleinadligen zusammen mit eigenem Grundbesitz.

 

Fast jeder Ort beheimatete einen Ritterhof, einige hatten es zu beträchtlichen Einfluß und Vermögen gebracht.

Die Familien von Steinbach, Rautenberg, Escherde, Oberg, Walmoden, von Bock und Schwichelt waren durch wechselnde Lehensnahmen mal den Braunschweigern und mal dem Bistum oder beiden gleichermaßen zur Heeresfolge verpflichtet.

 

Die Ritterfamilien von Rössing und Rautenberg waren dem Bistum durch Domherrenplätze zwar verpflichtet, vertraten aber in erster Linie eigene Interessen.

 

Die kleinen Grafschaften Hallermund und Spiegelberg hingegen hatten guten Grund mit dem Bistum verbündet zu sein.

Ihre Eigenständigkeit war ebenso bedroht, wie das Bistum selbst.

 

Der Kahlenberger erhob Ansprüche auf den festen Ort Kobenbrücke, obwohl keinerlei Rechtsanspruch bestand.

 

Die Zolleinnahmen aus dem verkehrsgünstig gelegenen Ort Kobenbrücke liegt Eingangs des Iht an der Straße zwischen Hildesheim und Hameln und brachte durch Zollerhebungen den Grafen von Spiegelberg beträchtliche Einnahmen.

 

Außerdem stachen die wildreichen Höhen, die zu der kleinen Grafschaft gehörten, dem Kahlenberger in die Nase. So taten die Spiegelberger Grafen gut daran, sich in dem nahe gelegene Hochstift einen starken und verläßlichen Verbündeten zu versichern.

 

Der Angriff auf das Bistum, an dem fast alle nördlich des Harzes gelegenen Adelsgeschlechter einschließlich der Bistümer Magdeburg und Halberstadt teilnahmen, läßt die Vermutung zu, daß hier nicht eine vorgeschobene Bestrafung für das Räuberunwesen, das von einzelnen Rittern zweifellos ausgeführt wurde, beabsichtigt war, sondern die Aktion dem Stift und seinen Ländereien galt.

 

Die Ansammlung eines so großen Heeres, - die Verbündeten hatten mehr als 2000 Helme aufgeboten, mit Troß und Anhang gut noch mal so viel -, waren für das Mittelalter in Norddeutschland ungewöhnlich und mußte auch für die Stadt Hildesheim eine direkte Bedrohung darstellen.

 

Daher wohl auch der Schulterschluß der Hildesheimer Bürgerschaft mit ihrem Bischof.

Die Stadt war durchaus kein braves Kind, in der Vergangenheit hat es herbe Auseinandersetzungen mit dem Oberhirten gegeben, zwei Vorgänger Gerhards mußten bei Nacht und Nebel fluchtartig die Stadt verlassen, um nicht von den aufgebrachten Bürgern verprügelt zu werden, wenn nicht noch Schlimmeres.

 

Die Stadt war sehr auf ihre Eigenständigkeit bedacht und nicht geneigt, sich unter den Krummstab zu beugen.

Es bedurfte schon einer massiven Bedrohung von Außen, um die Hildesheimer Bürger zu überzeugen, daß ein erheblich höheres militärisches Engagement erforderlich war, als für die reine Verteidigung der Stadtmauern notwendig.

 

Daß es dem Bischof gelang, das Gros seiner eigenwilligen Ritterschaft zu mobilisieren, an deren Starrköpfigkeit und Rauflust sein Vorgänger nach nur einem Jahr Amtszeit scheiterte und das Handtuch warf und um seine Entlassung bat, weil er mit “den Gepflogenheiten" des Landes nicht zurecht kam, ist wohl seiner Persönlichkeit zuzuschreiben.

 

Bischof Gerhard muß eine besondere Ausstrahlung gehabt haben, daß er mit diesem eigenwilligen, aus alten sächsischen Bauernadel hervorgegangen Landjunkern zurecht kam.

Der Sieg bei Dinklar hat sicherlich seine Stellung in der Stadt gefestigt.

 

Nach dem Sieg mit den Unterlegenen machte er einen billigen Frieden und gab die Gefangenen für ein verhältnismäßig kleines Geld frei.

 

Das sicherte ihm einen längeren Frieden, der ihm die Möglichkeit gab, die inneren Belange des Bistums zu ordnen.

Gerhard von Berg war einer der wenigen Bischöfe von Hildesheim dem es gelang, die Grenzen des Bistums zu festigen.

 

Ein wesentlicher Schritt dazu war die Errichtung der Burg Steinbrück am Ufer der Fuhse und einer steinernen Brücke über den Fluß (finanziert durch Lösegelder), die der Burg den Namen gab.

 

Ferner erfüllte er einen von allen Seiten geforderten Wunsch, - die Zerstörung der Raubnester Bodenburg und Wallmoden.

 

Mit dieser Maßnahme machte er allen denjenigen klar, daß er nicht gewillt war Freibriefe an Teilnehmer an der Schlacht zu verteilen, seien ihre Verdienste an dem Ausgang der Schlacht auch hoch.

 

Mit strengen Maßnahmen gegenüber räuberischen Adligen schaffte er es, die Übergriffe in Grenzen zu halten.

 

Zu treuen Anhängern wurden die Landedelleute nie, die eigenständige Lehenunabhängigkeit führte immer zu kleineren Unruhen. Zeitlebens mußte der Bischof gegen seine eigenen Ritter zu Felde ziehen, um die Ordnung im Land aufrecht zu erhalten.

 

ein Diorama der Schlacht

die Schlacht....

so oder so ähnlich könnte es sich zugetragen haben....!

 

Wappen der Familie Pepersack
Wappen der Familie Pepersack
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