Schuhe im Mittelalter

Schuhe und Schuhhandwerk

Schon im Mittelalter gehörten Schuhe zu den häufigsten Erzeugnisse des Leder verarbeitenden Gewerbes. Auch bei archäologischen Grabungen kommen Schuhe oder Teilfragmente immer wieder zum Vorschein, obwohl sich Leder, als Naturprodukt, im Boden verhältnismäßig schnell zersetzt. Überall dort, wo zersetzende Mikroorganismen mangels Sauerstoff nicht tätig werden können, bleibt das Fundgut auch über lange Zeiträume erhalten. Die am häufigsten auftretenden Fundstücke sind dabei die Schuhe. Dieses ist nicht erstaunlich, weil die Schuhmacherei bei der gesamten Lederverarbeitung den zahlenmäßig bedeutendsten Produktionszweig darstellte. Ebenso führten die schlechten Straßen- und Wegeverhältnisse sowie die verhältnismäßig einfache Konstruktion der Schuhe zu einem raschen Verschleiß des Schuhwerks und somit zu einer erhöhten Nachfrage.

Wer nicht in der Lage war sich neue Schuhe anzuschaffen, brachte die alten Schuhe zum Flickschuster oder reparierte sie eigenhändig, was durch zahlreiche archäologische Schuhfunde belegt ist.

Man weiß im einzelnen nicht, wie hoch der individuelle Schuhverbrauch war, spätmittelalterlichen Schriftquellen zufolge muss er erheblich gewesen sein. Darin ist zu lesen, dass beispielsweise Knechte zusätzlich zu ihrer Entlohnung im Schnitt 3-8 Paar Schuhe pro Jahr erhielten oder dass eine Familie mit Angehörigen und Gesinde pro Halbjahr über 100 Paar Schuhe benötigten. Unseren Erfahrungen nach kann man von ca. 2-3 Monaten bis zur ersten Reparatur ausgehen, dies hängt aber natürlich stark von der Qualität der Schuhe und vom Pflegezustand ab. Auch die Benutzungsintensität ist bedeutend da ein Bote die Schuhe natürlich mehr beansprucht als ein Prokurist.

Die Kurzlebigkeit des Schuhwerks und die damit verbunden hohe Zahl an Funden bieten der Archäologie die besten Voraussetzungen mehr über Stilentwicklungen, Fertigungstechniken, Modeerscheinungen und das Handwerk zu erfahren. Auch was den sozialen Stand der Träger oder die Gesundheitszustände der Füße anbelangt, lässt sich aus den Funden viele Informationen heraus lesen. Ungewöhnliche Abnutzungsspuren oder punktuell entferne Lederteile lassen auf Deformationen des Fußes (Hallux valgus, Hallux rigidus oder Hammerzehen) sowie schmerzhafte Entzündungen schließen.

Im Hinblick auf den ernormen Bedarf an Schuhen verbrauchten die Schuhmacher zweifelsohne den überwiegenden Teil der zur Verfügung stehenden Lederhäute innerhalb einer mittelalterlichen Stadt. Zu Beginn gerbten die Schuhmacher ihre Tierfelle noch selbst, doch vollzog sich mit der Entstehung der Zünfte eine kontinuierliche Abgrenzung der verschiedenen Gewerke. Im Jahr 1413 wurde beispielsweise in der Stadt Konstanz beschlossen, dass die Schuhmacher keine Rohhäute mehr kaufen durften. Dafür waren nunmehr die Gerber zuständig.

Die Zünfte der Schuhmacher gehörten nicht nur zu den ältesten in den mittelalterlichen Städten, sie genossen zudem einen sehr hohen wirtschaftlichen und politischen Einfluss.
Häufig besaßen Schuhmachermeister neben ihren Werkstätten auch Verkaufsräume, beschäftigten Gesellen und Lehrlinge. Weitaus weniger angesehen waren dagegen die so genannten Flickschuster und Altmacher, die meist in kleinen Werkstätten oder auf Wanderschaft ihr Handwerk ausübten.

Flickschuster und Altmacher

Auch wenn oftmals das Handwerk der Flickschuster und der Altmacher ebenso wichtig war wie das der Schuhmacher, genossen sie jedoch niemals deren Ansehen. Während die Flickschuster kaputte oder verschlissene Schuhe reparierten, kaufte der Altmacher abgetragene Schuhe auf, erneuerte diese und verkaufte sie dann wieder. Dazu wurde der Schuh an der Sohlennaht aufgetrennt und die am unteren Schaftteil vorhandenen alten Nahtlöcher abgetrennt. Der Altmacher nähte dann einfach eine neue Sohle an, die Schuhe waren dann eine Nummer kleiner aber dafür fast neuwertig. An zahlreichen Fundobjekten befinden sich Hinweise auf die Ausübung dieser Handwerksarten, wie z.B. die
häufig vorkommenden Sohlenflicken sowie die in sehr großer Menge vorkommenden abgeschnittenen Lederstreifen mit Lochung. Aus einer Handwerksbeschreibung des 17. Jahrhunderts geht die Bedeutung hervor, die das Handwerk des Flickschusters und des Altmachers insbesondere für den unteren Stand der Bevölkerung hatte. ?Wie nun das Doppeln der Schuhe eine ohnedem nützliche Sache ist, wodurch man offt ein neues Paar erspahren kan, so ist dieses Handwerck denen Armen um so viel desto zuträglicher, weil sie nicht nur selbige mehrmals flicken, sondern auch wann sie nicht so viel erübrigen, dass sie die neuen Schuhe dem Schuster bezahlen können, altgeflückte Schuhe bei dem Altmacher kauffen, und je so wohl darinnen hurtig fortlauffen....? (M.Wagner, Handwerk um 1700).

Die Herstellungstechniken

Selten gelingt es bei Ausgrabungen, eine Schuster-Werkstatt archäologisch aufzuspüren. Oft handelt es sich hier um Werkstätten der Altmacher oder Flickschuster, da es sich meist um Ansammlungen von nicht mehr reparierbaren Schuhen, Flicken, abgerissenen Riemen und die oben erwähnten Lederstreifen mit Lochung handelt Eine Vielzahl von Schuhfunden stammen auch aus Kloaken, Hinterhöfen oder Stadtgräben, wo über Jahre Abfälle deponiert wurden. Dabei handelt es sich erstaunlicherweise häufig um einzelne Schuhe, die ausgedient hatten und weggeworfen wurden. Auch in Kirchengrüften sind verschiedene Schuhpaare gefunden worden. Diese Fundquellen sowie zahlreiche Abbildungen von Schuhmachern oder Schuhen ermöglichen es uns heute, ein Bild des Schuhhandwerks und der damals gängigen Schuhmode zu rekonstruieren.

Die am häufigsten verwendeten Lederarten stammen von Häuten von Ziegen, Schafen, Kälbern und Rindern. Eine Londoner Zunftregel aus dem Jahr 1303 erlaubte es den Schuhmachern nicht, unterschiedliche Lederarten an einem Schuh zu verarbeiten. Lederartenanalysen beweisen jedoch, dass diese Vorschrift auch übertreten wurde bzw. in anderen Regionen nicht bekannt war. Während des Mittelalters fand ein Wechsel in der Verwendung der verschiedenen Lederarten statt: während vom 8. bis 12. Jahrhundert Schuhe vor allem aus Ziegenleder hergestellt wurden, trat ab dem 13. Jahrhundert das Kalb- und Rindsleder in den Vordergrund.

Der Zuschnitt der einzelnen Schuhteile erfolgte mit einem gerundeten Zuschneidemesser. Auf bildlichen Darstellungen sowie in Zunftzeichen taucht dieses, für die Lederverarbeitung typische Werkzeug, immer wieder als Kennzeichen des Schuhhandwerks auf. Ökonomisch durchdachte Schnittmuster vermieden einen unnötigen Verschnitt. Abhängig von der jeweiligen Schuhform oder dem Talent des Zuschneiders wurden Ergänzungen von Teilstücken im Oberleder erforderlich. Diese Lederstücke entnahm man häufig den Schnittabfällen. Während anfangs die Schnitte für das Oberleder aus einem Stück bestanden, das in der Innenseite des Fußes vernäht wurde, ging man Mitte des 14. Jahrhunderts häufig dazu über, Vor- und Rückfuß getrennt zuzuschneiden.

Bis zum Ende des 15. Jahrhundert wurden die Schuhe wendegenäht, das bedeutet, man nähte das Oberleder und das Sohlenleder auf links zusammen (Fleischseite des Leders). Anschließend wurde der Schuhe gewendet, so dass die wasserabstoßende Seite des Leders (Narbenseite) außen war. Mit einer Ahle wurden die Nahtlöcher vorgestochen. Zum Nähen verwendete man pech- oder wachsgetränkten Hanf- oder Leinenzwirn. Mit angepichten Wildschweinborsten wurde das Garn durch die vorgestochenen Löcher geführt. Alle wichtigen Nähte wurden mit zwei Fäden gleichzeitig genäht, wobei sich die Fäden in der Nahtlängsachse bei jedem Stich überkreuzten. Vorteilhaft an dieser Nähweise ist, dass man den Zwirn sehr fest anziehen kann und selbst bei einem Reißen des Garns an einer Stelle die restliche Naht dennoch sehr stabil bleibt und Reparaturen problemlos möglich sind. Die typische Körperhaltung während des Fadenzugs mit beidseitig ausgestreckten Armen findet sich auf zahlreichen bildlichen Darstellungen des Schusterhandwerks wieder.

Ab dem 13. Jahrhundert begann eine Differenzierung bei den Fertigungstechniken. Mittels eines schmalen Lederstreifens verstärkte man die Verbindungsnaht vom Oberleder zum Sohlenleder. Dieses erhöhte auch die Dichtigkeit des Schuhes enorm. Ab dem Spätmittelalter wurden auch einzelne Sohlenpartien (Sohlenflicken Vorn und Hinten) direkt bei neuen Schuhen am Randstreifen befestigt. Diese schützen vor all zu schneller Abnutzung und machte es dem Flickschuster leichter, einzelne Sohlenpartien zu reparieren. Stärker beanspruchte Stellen des Oberleders im Fersen oder Ballenbereich oder in der Verschlussregion wurden schon sehr früh mit einer zweiten Lederschicht von innen versteift. Diese Teilstücke wurden nur durch das halbe Leder genäht, so dass von außen keine Naht zu sehen ist. Schrittweise führten die fertigungs-technischen Verbesserungen zu den in der Wende zum 16. Jahrhunderts zum ersten Mal auftretenden rahmen und zwiegenähten Schuhen. Um so erstaunlicher ist es, dass die ersten Kuhmaulschuhe sowohl in einer rahmengenähten als auch parallel in einer wendegenähten Variante auftraten. Offensichtlich wurde hier versucht neue modische Ansprüche der Kunden ohne genaue Kenntnisse der Fertigung umzusetzen. Diese Fertigungsart blieb bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts erhalten.

Die Schuhformen

Das mittelalterliche Schuhwerk war nach Fundobjekten zu urteilen sehr vielfältig. Dabei wurden Halbschuhe von höheren Schuhformen oder Stiefeln unterschieden. Zahlreiche Details, wie diverse Schnittmuster, Arten von Verschlüssen oder Verzierungen ließen zahlreiche Variationen zu. Abgesehen von der Größe gab es keine Unterschiede zwischen Männer-, Frauen- und Kinderschuhen. Im Gegensatz dazu verhielt es sich mit der Kennzeichnung von Standesunterschieden. Der Schuh als wichtiges Accessoire der Bekleidung war letztendlich auch ein Spiegel des gesellschaftlichen Rangs seines Besitzers. Während den einfachen Leute das Schuhwerk als Schutz gegen Nässe, Kälte, Schläge und Stöße diente, also die Zweckmäßigkeit im Vordergrund stand, legte der Patrizier einen weitaus größeren Wert auf vornehme Kleidsamkeit, die seiner übrigen Standestracht entsprechen sollte. Dem entsprechend selten werden extravagante Schuhe der reicheren Bevölkerungsschichten bei Ausgrabungen geborgen.

Kleider- sowie Schuhspenden als Bestandteil einer religiösen Lebensweise verhalfen oftmals auch den ärmsten Mitgliedern der städtischen Gesellschaft zu Schuhen. Auf spätmittelalterlichen Darstellungen wird Armut darin ausgedrückt, dass die betreffende Person entweder teilweise barfuss zu sehen ist oder Schuhe tragen, die an der Spitze so verschlissen sind, dass die Zehen zum Vorschein kommen. Auch gibt es Abbildungen auf denen zwei verschiedene Schuhe getragen werden, was dafür spräche, dass einzelne, defekte Schuhe entsorgt worden sind, während der intakte Schuh noch weiter getragen wurde.
Auf einigen Abbildungen des Spätmittelalters sind Soldaten zu sehen, die Schuhe aus geflochtenem Stroh trugen. Diese sind jedoch eher selten und konnten aufgrund des sich schnell zersetzenden Materials bislang bei Ausgrabungen nicht geborgen werden. Gleiches gilt auch für vereinzelte Darstellungen, wo scheinbar die Soldatenschuhe benagelt waren. Auch hier konnten bei Ausgrabungen noch keine Schuhnägel geborgen werden. Somit stehen der Forschung hauptsächlich die Schuhe der breiten Schicht des städtischen Bürgertums, bestehend aus Handwerkern, Gewerbetreibenden und Kaufleuten zur Verfügung.

Zu den am weitesten verbreiten Schuhmodellen zählen die Schuhe mit einem Knöchel hohen Schaft. Gerade bei Kindergrößen ist diese, eher nach praktischen als ästhetischen Gesichtspunkten entwickelte Schuhform, mit einer Verschnürung um den Knöchel durch zwei bis mehrere Ösenpaare häufig anzutreffen. Im 14. Jahrhundert geht man zu einem Schnürverschluss an der Seite oder am Schienbein über. Parallel dazu treten auch Schuhe mit Knöpf- oder Knebelverschluß auf. Auch Schuhe mit einem hohen geschlossenen Schaft, die so genannten Schaftstiefel, gehörten ab dem 13. Jahrhundert zum mittelalterlichen Schuhrepertoire. Wer es sich leisten konnte, trug Stiefel, die mit einem feinen Leder unterfüttert waren. Bei den Halbschuhen war die modische Entwicklung am weitesten ausgeprägt, wobei auch hier in erster Linie die Formenvielfalt durch unterschiedliche Verschlussarten bestimmt wird. Unterschiedliche Arten der Verschnürung ? um den Knöchel, seitlich oder auf dem Fuß ? sind dabei ebenso häufig anzutreffen , wie Riemen-, Schnallen-, Knöpf- oder Knebelverschlüsse. Oftmals treten auch Schlupfschuhe in zahlreichen Varianten auf. Zu den eleganteren und im 15. Jahrhundert weit verbreiteten Modellen zählte der Schnabelschuh. Dieser Schuh ist auf Abbildungen des Spätmittelalters in fast allen Bevölkerungsschichten anzutreffen. Selbst zahlreiche Abbildungen von Soldaten, die diesen Schuh auf dem Schlachtfeld trugen, zeigt dessen hohe Beliebtheit. Bisweilen findet man auch besonders reich verzierte Modell, zumeist in Durchbrucharbeiten, deren Besitzer wohl zu den vermögenderen Bürgern zählten.

Trippen

Auch wenn die Anfertigung von Trippen ein eigener Berufszweig darstellte und den Trippenmacher vorbehalten war, möchten wir der Vollständigkeit halber hier eine kurze Zusammenfassung liefern.

Um die Schuhe vor Straßenschmutz und die Füße gegen Kälte zu schützen, trug man häufig Trippen.
Dies waren zum einen die Ledertrippen die ähnlich einer Sandale aus einem Lederbespannten Korkkern oder mehreren Lagen Sohlenleder bestanden und oftmals sehr zierlich und aufwendig gestaltet waren. Verschiedene Trippen haben sich bis heute erhalten.
Auf Abbildungen sieht man diese feinen Trippen meist an wohlgekleideten Personen und häufig in Verbindung mit Schlupf/Schnabelschuhen. Auch ist auffällig das dieser Typ nur auf/in befestigten Plätzen und Räumen benutzt wird.

Zum Anderen gibt es noch die etwas gewöhnlichere Holztrippen. Auch diese konnten mehr oder weniger aufwendig gearbeitet sein. Die Formen der hölzernen Trippen waren recht vielseitig. Sie waren flach mit oder ohne Gelenk sein und von unterschiedlicher Höhe.
Gerade bei den hohen Trippen ist es sehr wichtig das sie sehr genau gearbeitet wurden,
damit sie beim gehen nicht zu sehr störten. Auf Abbildungen ist sehr genau zu erkennen das sie teilweise mit Schränkung (d.h. die Hacke ist höher als der Vorderfuß) und mit leichtem Fußbett gearbeitet sind, auch werden die Stege nach unten hin breiter, so das sie nicht zur Seite kippen. Befestigt wurden die Holztrippen mittels einer sandalen ähnlichen Lederkonstruktion, welche seitlich an die Holztrippen genagelt wurden. Als Holz verwendete man ausschließlich Pappelholz, weil sich dieses Holz in frisch geschlagenem Zustand sehr gut bearbeiten lässt. Durch die Trockung wird das Holz zäh und leicht, was zu einen gewissen Tragekomfort führt.
Harthölzer sind in den Funden nicht nachzuweisen und aus eigenen Versuchen auch nicht praktikabel, da die Trippen dann unangenehm schwer werden oder sehr schnell reißen..
Auf Darstellungen sind als typische Handwerkzeuge häufig ein Hauklotz und Dechsel zu sehen.


Autoren: Frank Becker und Christian Pohen
Copyrights bei Frank Becker und Christian Pohen

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Schuhmode im Hoch- und Spätmittelalter

 

 

Geschichte der Schuhmode im Hoch- und Spätmittelalter

 

Einige grundsätzliche Erwägungen sind vorauszuschicken, um die verschiedenen Faktoren, die die Schuhherstellung im Mittelalter beeinflußt haben in ein Gesamtbild zu stellen.
Das früh- bzw. hochmittelalterliche Klimaoptimum hatte weitreichende Folgen für die Entwicklung der Landwirtschaft und das Bevölkerungswachstum. Nach dendrochronologischen Untersuchungen aus Süddeutschland sind die Sommer ab etwa 1080 bis 1146 n. Chr. kontinuierlich wärmer geworden.
Bis ca. 1320 n. Chr. setzt sich dieses sog. Hochmittelalterliche Klimaoptimum, mit einem ansteigenden Jahresmittel von durchschnittlich 1,5 ° C im Vergleich zu heute , unterbrochen von kälteren Abschnitten und ausgesprochene Wärmewellen fort. Ab ca. 1360 bis 1485 sind, von einzelnen kurzen Perioden unterbrochen, abnehmende Sommertemperaturen zu beobachten.
Durch die längeren Vegetationsperioden im 12. und 13. Jht., die verbesserte Futtervorrats-haltung durch die Entwicklung der langstieligen Grassense, vermehrte Nutzung ertragsarmer Böden zur Nutztierhaltung und die sich ausbreitende Dreifelderwirtschaft begünstigten nicht nur das Bevölkerungswachstum. Waren die Schuhe bis Mitte des 13. Jht. vorwiegend aus Ziegenleder gefertigt, so ist danach vermehrt die Verwendung von Kalbs- und Rindshäuten feststellbar. Wegen seiner Stärke und Wiederstandsfähigkeit wurde für Schuhsohlen grundsätzlich Rindleder verarbeitet. Allerdings war das Rind im Mittelalter um ca. die Hälfte kleiner als heute. Das Lebendgewicht dürfte durchscnittlich nicht über 250 kg gelegen haben, im Vergleich zu heutigen Mastrindern von 450- 500 kg.
An vielen Fundorten wurden getragene Schuhe aus dem Hochmittelalter in nicht repariertem aber reparaturwürdigem Zustand gefunden, was die Abnutzung an den Sohlen angeht. Auf Grund der hohen Zahl an gefundenen ausgeschlachteten Schuhen wird vermutet, daß verwendbares Material eher der Neuanfertigung diente, als der Reparatur. Eine schriftliche Quelle aus dem Spätmittelalter gibt über eine Familie Auskunft, die mit Angehörigen und Gesinde, die genaue Personenzahl wird leider nicht genannt, vom Oktober 1410 bis April 1411 103 Paar Schuhe "verbrauchte" . In der Gestaltung treten keine wesentlichen Unterschiede zwischen Damen-, Herren- und Kinderschuhen auf, von der Unterscheidung durch die Schuhgröße abgesehen. Ausgenommen hiervon sind nur von Männern getragene knie- bzw. hüfthohe Stiefel.
Durch das Bevölkerungswachstum innerhalb der Städte und der damit verbundenen sozialen Differnzierung bildete sich im Berufsbild des Schuhmachers, der bis ins 12. Jht. hinein oft auch Gerber war, eine stärkere Spezialisierung heraus. Die Schuhmacher, auch als Corduaner oder Schwarzschuster bezeichnet, sofern sie überwiegend Corduanleder bzw. schwarzes Leder verarbeiteten, beschäftigten sich nach Abspaltung des Gerberhandwerks hauptsächlich mit der Neuanfertigung. Hierzu gibt es aus London, wo die Schuhmacher auch "cordwainer" genannt wurden, eine interessante Verordnung aus dem Jahre 1409: Reparatur- Schuhmacher sog. "cobbler", dürfen neues Leder zum Zweck der Reparatur angekauften instandsetzungswürdigen Schuhwerks nur im Spitzen- und Fersenbereich verwenden .
Die Durchausbesohlung war ausschliesslich den cordwainern vorbehalten. Die Bezeichnung "cordwainer" geht auf die Verwendung von rot eingefärbtem Ziegenleder, dem Corduanleder zurück, das aus dem spanischen Cordoba eingeführt und für Luxusschuhwerk verarbeitet wurde. Da die Wiederbesohlung sehr zeitaufwendig ist- immerhin muß der Schuh mit einer neuen Sohle versehen und anschließend gewendet werden- hat sich bei teuereren Schuhen, vor allem bei Schnabelschuhen, die zweigeteilte Sohle mit einer Naht im Gelenkbereich eingebürgert.
Weniger aufwendig gearbeitete abgetragene Schuhe einfacherer Leute wurden vom Flickschuster geflickt oder vom Altmacher bzw. Altreisser, wie er bei uns hieß aufgekauft, oft mit unregelmäßig geformten Sohlenstücken versehen und wieder weiterverkauft. Auf diese Weise konnte ein Paar Schuhe zwei oder drei Besitzer haben. Zu ihren Kunden dürften ärmere Bürger und sozial schwache Menschen gehört haben.
Es ist eine weit verbreitete Meinung, arme Leute seien im Mittelalter barfuß unterwegs gewesen. Dagegen spricht, daß sich besonders im Mittelalter niemand gerne der Verachtung und dem Spott preisgab, weil er oder sie seine/ihre Leibesblöße nicht decken konnte, also lieber in zerrissenen Kleidern und Schuhen einherging, als mit unbekleideten Körperteilen. Beim Barfußgehen wäre außerdem noch an das hohe Infektionsrisiko durch Verletzungen zu denken. Barfüßigkeit ist daher wohl eher religiös motiviert, wie z. B. auf Pilgerfahrten oder Bußgängen.
Je nach den klimatischen Gegebenheiten in Mitteleuropa finden sich nach Norden und Osten hin häufiger höhere und geschlossenere Schuhformen, nach Westen und Süden hingegen eher offenere und niedrigere. Allgemein am häufigsten kommt die über den Knöchel reichende halbhohe Schuhform vor.
Die am weitesten verbreitete Verschlußart ist die mittels umlaufender Schürriemen, weniger mit Knöpfen oder Knebeln und ab dem 14. Jht. auch mit Schnallen. Diese grobe Schematisierung gibt lediglich allgemein feststellbare Trends wieder.

Die Lederbereitung ist charakterisiert als der Vorgang, bei dem die tierische Rohhaut durch Gerbmittel so verändert wird, dass sie im trockenen Zustand nicht bricht und im nassen Zustand nicht fault. Die heute übliche Salzkonservierung, der frisch abgezogenen Haut dürfte der hohen Kosten wegen nur in seltensten Fällen angewendet worden sein. Wahrscheinlich ist die Konservierung durch Gefrieren über den Winter. Vor dem eigentlichen Gerbvorgang muß die Oberhaut mit den Haaren und das Unterhautbindegewebe entfernt werden, um eine gerbfertige sogenannte Blöße zu erhalten. Bei der Lohgerbung werden die Häute abwechselnd mit Eichenrinde (Lohe) in Gerbgruben aufgeschichtet und unter Wasser gesetzt. Dieses Verfahren, das je nach Hautstärke so oft wiederholt werden muß, bis das Leder ganz durchgegerbt ist, gibt ein hellbraunes, bei Zusatz von Eisengallat oder Eisensulfat schwarzes Leder.
Eine weitere im Mittelalter gebräuchliche Gerbart ist die Sämischgerbung, bei der unter Verwendung von Fischtran oder Hirn, starker mechanischer Bearbeitung und Wärme ein sehr weiches Leder hergestellt wurde. Dieses ist in ungefärbtem Zustand hell- bis blassgelb. Die durch Alaungerbung erzeugten Leder sind von weißer Farbe, bedürfen aber einer intensiven Bearbeitung, um als Gebrauchsleder zu dienen.
Bei der Lederfarbe gilt der Grundsatz Gerbung = Färbung. Neben den bereits erwähnten Farben spielt noch der Sumach als Gerbe- und Färbepflanze eine Rolle, die grünes Leder liefert, sowie Krapp, mit der sich Leder rot einfärben lässt. Krapp wurde bereits seit dem 12. Jht. im ndl. Seeland angebaut.
Für Schuhoberteile kommen Rind-, Ziegen-, Schaf- und seltener Hirschleder zur Verwendung.


Diese Betrachtung befasst sich mit Entwicklungstendenzen der Schuhmode im städtischen Umfeld von der Mitte des 12. Jht. bis Ende des 15 Jht. n. Chr.

Mitte des 12. Jahrhunderts bereits von einer regelrechten Mode im Schuhbereich zu sprechen ist sicher etwas übertrieben. Die Anfertigung von besonders kunstvoll ausgestaltetem Schuhwerk war ohnehin nur Vertretern des höheren Adels bzw. Klerus vorbehalten. Jedoch ist auch bei Trägern einfacherer Schuhe ein gewisses Schmuckbedürfnis feststellbar.
Eine Reihe von Schuhen aus dem Themsefund in London tragen drei parallel gestickte Ziernähte von der Schuhspitze zum Einschlupf reichend oder seltener im Rückfußbereich an den Quartierteilen. Diese Schuhe werden ins frühe 12. Jht. bis ins ausgehende 12. Jht. datiert und lassen auf Grund der Fundsituation darauf schliessen, dass sie von Stadtbürgern gertragen wurden (Modell C 1). Sie kommen mit Ziernähten vorwiegend als halbhohe Schuhe, aber auch als Halbstiefel vor, die mit einem oder mehreren um den ganzen Schuh reichenden Schnürriemen am Fuß gehalten wurden. Häufig laufen die Schnürriemen in Schlaufenösen, die auf der Innen- und Aussenseite der Schuhoberteile eingearbeitet sind. Diese Verschlußart ist für den angegeben Zeitraum typisch (Modell E 1). Vereinzelt lassen sich Schlupfschuhe nachweisen, die bei allen Fundorten (London, Schleswig, Konstanz) eine auffallend spitze Form haben, was auf vornehme Träger, die fragile Machart aber eher auf einen Gebrauch als Hausschuh schliessen lässt (Modell B 1).

Modell B1Modell E1Modell C1

Mit dem Übergang ins 13. Jht. setzt sich mehr und mehr eine rund ausgeformte Schuhspitze und ein beidseitig eingezogenes Gelenk durch. Als Neuerung werden jetzt Randstreifen entweder teilweise an Spitze bzw. Ferse oder ganz umlaufend zwischen Sohlen und Oberleder mit eingenäht. Diese Randstreifen hatten die Funktion einer Biese, die eine bessere Dichtheit am Übergang von Sohle zu Oberleder gewährleisten sollten. Ausserdem sollten sie verhindern, dass sich das Oberleder im unteren Fersenbereich durchscheuert, was bei feucht gewordenen wendegenähten Schuhen sehr leicht möglich ist.
In dieser Zeit treten Modelle auf, die nicht mehr mit einem um den Knöchel laufenden Schnürriemen, sondern direkt vorne oder seitlich vorwiegend innen, geschlossen werden (Modelle B 2; B 5; B 7; C 4).



Modell B2Modell B5

Modell B7Modell C4



Die Modelle mit einem Riemen über dem Rist werden auf der Schuhaussenseite geschnürt oder mit mit einer Schnalle geschlossen(Modelle B 3; B 4). Auffallend ist die Zunahme von Halbschuhen im Befund des 13. Jht. Gelegentlich kommen in dessen zweiter Hälfte kunstvoll durchbrochen gearbeitete auch zusätzlich bestickte Halbschuhe vor, die von Vertretern des Adels getragen worden sein dürften (Modell B 7).

Modell B3Modell B4

Das Einarbeiten von Ösenverstärkungsstreifen, seitlichen Verstärkungsstreifen und anderen den Verschleiß mindernden Einsätzen wurde nun allgemein üblich . Eine typische Verschlußart, die in dieser Zeit aufkommt ist der Knebel- bzw. Knöpfriegelverschluß., der sich über ganz Europa nachweisen läßt (Oslo, Schleswig, London, s´Hertogenbosch, Leiden, Konstanz, Payerne; Modelle B 6; (C 2; C 3; E 2; E 4).
Vornehme Personen behalten vor allem die beliebten Stoffbeinlinge mit angenähter spitzerLedersohle bei, was die Verwendung einfacher Holztrippen nach sich zieht, um die Füße bei feuchter Witterung vor Nässe zu schützen.



Modell C2Modell C3

Modell E2Modell E4



Der früheste Fund solcher Trippen aus London datieren bereits ins frühe 13. Jht. Eine Trippe aus Erlenholz mit einem Steg im Ballenbereich und einer eisernen "Absatz"- Konstruktion.
Der Schuh wurde mit zwei sich überlappenden Lederbügeln im Ballenbereich gehalten, die mit Eisennägeln seitlich im Holz befestigt waren. Die oft in schwarz dargestellten Beinlinge können nur aus Stoff oder dünnem Leder gewesen sein, weil sich die spitze Form sonst mit der damals üblichen Technik der wendegenähten Machart nicht herstellen ließe (s. z.B. Manessische Liederhandschrift). Im Gegensatz dazu tauchen betont spitze Schuhformen im hochmittelalterlichen Befund der Städte vergleichsweise selten auf.
In der ersten Hälfte des 14. Jht. kommt der Knebelverschluß langsam aus der Mode. Schuhe mit Riemenschnürung um den Knöchel werden nur noch von Kindern und gelegentlich von Frauen getragen. Zur Zeit der grossen Pestwellen, ab der Mitte des 14. Jht., tauchen Halbschuhe mit mehr oder weniger langen Spitzen auf. Diese "cracowers" oder "poulaines" genannten Schnabelschuhe halten sich in der Mode bis etwa um 1400.
Wie Untersuchungen an den Londoner Schuhfunden zeigen, waren die Schuhschnäbel stets mit Moos, andernorts möglicherweise auch mit anderen Materialien wie z. B. Heu oder Werg ausgestopft. Beliebt blieben Beinlinge, der Mode entsprechend mit Schnäbeln, unter denen ausser Haus Holz- oder mehrschichtige Ledertrippen getragen wurden. Auch für Schuhe war es sehr sinnvoll, bei schlechter Witterung Trippen zu tragen, denn es erhöhte deutlich ihre Lebensdauer. Dem unvermeidlichen Heruntertreten der Fersenpartie über die Sohlenkante bei nassen Schuhen und damit das Aufscheuern des Oberleders wurde spürbar entgegengewirkt.
Vermutlich infolge der Klimaverschlechterung wurden im ausgehenden 14. Jht. wieder mehr halbhohe Schuhe, Halbstiefel und Stiefel bevorzugt. Halbhohe Schuhe kommen als vorne oder seitlich geschnürte Modelle mit Knöpfriegel- oder Schnallenverschlüssen vor (Modelle C 2; C 4; C 3; C 5), Halbstiefel vorne geschnürt, mit Knöpfriegel- oder Schnallenverschluß (Modelle E 2; E 4; E 3). Für die städtische Bevölkerung des Spätmittelalters sind diese Schuhtypen am häufigsten nachgewiesen.

Modell C5Modell E3




Zu Beginn des 15. Jht. ist ein Wechsel zu runderen Schuhspitzen zu beobachten. Höher und besser gestellte Personen behalten jedoch, wahrscheinlich aus Gründen der ständischen Abgrenzung, die Schnabelschuhmode bei. Als Neuerung treten Schnürlaschen, zusätzliche Innensohlen, von aussen angenähte Halbsohlen und Lederflecke im Fersenbereich auf. Weiche Schlupfstiefel oder hüfthohe Lersen aus sämisch gegerbtem (Hirsch-) leder, sowie kniehohe Stiefel mit Schnallenverschlüssen sind für das Spätmittelalter ebenfalls nachgewiesen.
Ab etwa der zweiten Hälfte des 15. Jht. erfuhr die Schnabelschuhmode eine Wiederbelebung. Diesmal offensichtlich mit grösserer Breitenwirkung, wie zahlreiche Kleiderordnungen, z. B. aus dem London des Jahres 1465 zeigen. Darin wurde bestimmt, daß die Schuhmacher in und um London, ausser für Personen höchsten Ranges, keine Schuhe herstellen durften, deren Spitze länger als zwei Zoll waren. Ähnliche Absichten verfolgten auch Kleiderordnungen auf dem Kontinent (Zürich 1473 u. a.), ohne sich jedoch wirksam durchsetzen zu können. Diese modische Erscheinung findet mit dem ausgehenden 15. Jht. ihr Ende (Modelle D 1; D 2; D 3).

Modell D1Modell D2Modell D3

Ein Paar einfache Schuhe kosteten in London um 1320 sechs Pence, was zu dieser Zeit etwa dem Tageslohn eines guten Arbeiters entsprach. Im Gegensatz dazu wird der Preis für ein Paar königliche Schuhe mit 5 Shilling, also 60 Pence angegeben.

Literaturhinweise:
B. Frenzel, Spätmittelalter am Oberrhein, S. 41
K.- R. Schultze- Klinken, Lexikon des Mittelalters, S. 2181
W. Rösener, Lexikon des Mittelalters, S. 1378- 80
Chr. Schnack, Mittelalterliche Lederfunde aus Konstanz 1994,
Henning 1994
Kühnel 1982, S. 125
R. S. Elkar, Lexikon des Mittelalters, S. 1574-75
Shoes and Pattens, Grew/ de Neergard 1988
R. Nenno, Lexikon des Mittelalters, S. 1790
Ch. Reinicke, Lexikon des Mittelalters, S. 285?

 

Quelle: http://www.knieriem.net/cms.php?id_cms=7

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