Im 12. Jahrhundert bot der Ostseeraum norddeutschen Kaufleuten ungeahnte Möglichkeiten. Sie knüpften ein weit reichendes Handelsnetzwerk, das mächtig genug wurde, um es sogar mit Königen aufzunehmen.

Martin Krieger

 "So wan de arme was benodiget unde geenget, So hefstu em sine ware afgedrenget."

 Statt den Armen zu geben, was sie brauchten, nutze er ihre Not aus und nehme ihnen auch noch ihr Habe ab. Mit diesen harten Worten rügte ein Lübecker »Totentanz« im 15. Jahrhundert die Habgier des Kaufmannsstandes (Verse dieser Art, meist mit bildlichen Darstellungen kombiniert, gemahnten die Gesellschaft des Mittelalters an den unausweichlichen Tod; sie entstanden als Reaktion auf die Pestepidemien). Lug, Trug und falscher Eid seien die Grundlagen seines Gewinns. Deutlich unterscheiden sich die­se Worte vom gängigen Bild des ehrbaren Hanseaten vom Schlage eines Johann Buddenbrook, wie es Thomas Mann in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts zeichnete und wie es in jüngerer Zeit gern als Vorbild europäischer Integration in die wirtschaftspolitische Diskussion eingebracht wird. Obwohl die Hanse seit gut 200 Jahren Gegenstand der historischen und mehr und mehr auch der archäologischen Forschung ist, gibt ihre Entwicklung noch ebenso Rätsel auf wie der Alltag im hanseatischen Kontext …

 

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http://www.epoc.de/alias/hanse-politische-entwicklung/von-der-fahrtgemeinschaft-zur-wirtschaftsmacht/1060805

 

oder Literatur zum MA

Kurzbeschreibung

VISIONÄR UND UNERBITTLICH: DIE HANSE, DAS ERSTE IMPERIUM DER KAUFLEUTE. DIE ERFOLGSGESCHICHTE EINER EUROPÄISCHEN SUPERMACHT, DIE EINEN GANZEN KONTINENT PRÄGTE.

Über den Autor

Gisela Graichen studierte Publizistik, Rechts- und Staatswissenschaften und ist Diplom- Volkswirtin. Für das ZDF hat die Buch- und Filmautorin u. a. die erfolgreiche Archäologie-Reihe «Schliemanns Erben» und die Wissenschaftsserie «Humboldts Erben» entwickelt. Ihr letztes Buch «Deutsche Kolonien» stand zehn Wochen lang auf der «Spiegel»-Bestsellerliste. Sie lebt in Hamburg.

Dr. Rolf Hammel-Kiesow ist stellvertretender Leiter des Archivs der Hansestadt Lübeck und Honorarprofessor an der Universität Kiel. Seit 1994 gehört er zum Vorstand des Hansischen Geschichtsvereins. Er lebt in Lübeck
(es wird sogar der Pepersack aus Hildesheim erwähnt!)

Rezensiert für H-Soz-Kult

Matthias Puhle, Kulturhistorisches Museum Magdeburg

„So bezeichneten die Londoner Fernhändler die Hanse als crocodile, weil man ebenso wie bei diesem Tier, dessen Körper zumeist zum Teil unter Wasser ist, auch den vollständigen Körper der Hanse nicht sehen könne.“ (S. 511)

Poecks Arbeit über die „Herren der Hanse“ versteht sich vor allem als ein weiterer Beitrag zu der seit Bestehen der Hanse-Forschung diskutierten Frage nach dem „Wesen der Hanse“, und er ist tatsächlich weiterführend.

 

Bereits im 15. Jahrhundert ging die Hanse selbst der Frage nach, was sie eigentlich sei. Vergeblich wurde nach einer Gründungsurkunde gesucht, die diese Frage beantworten würde. Die Notwendigkeit, sich mit der Organisationsstruktur der Hanse auseinanderzusetzen, wurde im Mittelalter vor allem von außen an die Hanse herangetragen, in der Regel durch Konflikte und sich daraus ergebende Haftungsfragen verursacht.

 

Staatsrechtlich war die Hanse kaum zu definieren. Sie sagte gegenüber dem englischen Kronrat 1469, sie sei „eine Art Bündnis von Städten“, das vor allem zu wirtschaftlichen Zwecken gegründet sei und die Rechtshoheit der Fürsten über ihre Städte nicht infrage stellte.

Die Hanse-Forschung hat lange die Trennung zwischen Kaufmanns- und Städtehanse vorgenommen, um damit zu verdeutlichen, dass nach der Einführung des Hansetags, 1356, auf dem die Delegierten der Hansestädte erschienen, die Städte das Heft des Handelns in die Hand nahmen.

In der neueren Forschung wurde dieses Modell durch zum Teil neue methodische Ansätze immer fragwürdiger und gilt inzwischen als ein überwundener Versuch, das Wesen der Hanse zu erklären. Insbesondere verfassungsgeschichtliche Ansätze wie die von Ernst Pitz und prosopraphische Forschungen zu den Handlungsträgern hansischen Handels und hansischer Politik haben in den letzten zwei Jahrzehnten ein neues Bild der Hanse entstehen lassen.

 

Die Hanse war kein mächtiger, über Jahrhunderte existierender Städtebund, sondern eine Organisation von Kaufleuten, die ihre politisch und wirtschaftlich dominierende Stellung in ihren Herkunftsstädten nutzten, um mit dem Rückhalt ihrer Städte ihren – für mittelalterliche Verhältnisse – globalen Handel abzusichern, wovon die Hansestädte in der Regel auch profitierten.

 

Für die Hanse war dabei die „doppelte Dichotomie von handelswirtschaftlicher und politischer Organisation sowie von Kaufleuten und Städten“ kennzeichnend.[1] Als Begriff spielten hierbei die „heren der Hanse“ schon seit längerem eine große Rolle, waren aber „in ihrer verfassungsmäßigen Funktion noch nicht definiert“.[2]

 

Dieses wesentliche Puzzleteil bei der Suche nach dem „Wesen der Hanse“ liefert nun Poecks Untersuchung über die „Herren der Hanse“. Der E. Pitz zu verdankenden verfassungsrechtlichen Einsicht, dass die Hanse auf zwei Einungen basierte, der Bürgereinung in der Stadt und der Städteeinung in der Hanse[3], fügt Poeck nun mit der Offenlegung der städteübergreifenden, globalen Netzwerke der hansischen Kaufleute die wahrscheinlich ins Zentrum der hansischen Wirklichkeit zielende Erkenntnis hinzu, dass diese von verwandtschaftlichen Beziehungen und wirtschaftlichen Interessen bestimmten Netzwerke einen erheblichen Einfluss auf die Politik der Hanse besaßen, was zwar schon länger geahnt und partiell auch beschrieben, aber bisher noch nicht in dieser überzeugenden Weise und in diesem Umfang erforscht worden ist.

 

Poeck nimmt die „Herren der Hanse“ zwischen 1356 und 1516 in den Blick. Dabei geht er von zwei wesentlichen Hansetagen mit starker Beteiligung hansischer Delegierter aus, dem Hansetag von 1379 und dem Hansetag von 1418. 1379 versammelten sich 47 Delegierte aus 25 Städten in Lübeck, 1418 52 Delegierte aus 31 Städten. Hinzu kamen drei Vertreter des Hansekontors in Brügge. Im Zentrum der untersuchten Delegierten stehen die Ratsgesandten Lübecks.

 

Allerdings verfolgt Poeck auch über Lübeck ausgreifende Netzwerke, wenn sich dafür Anhaltspunkte finden. Am Ende gelingt es Poeck, 111 Netzwerke und die Verbindungen zwischen diesen offenzulegen.

Die ausgesuchten Hansetage zeichnen sich einerseits durch überdurchschnittlich guten Besuch und andererseits durch die Bedeutung der verhandelten Gegenstände aus, die allerdings für die Untersuchung nur am Rande wichtig sind.

 

Im Anhang werden die Delegierten-Netzwerke in Tabellen nochmals verdeutlicht und eine sehr nützliche Übersicht über die Teilnehmer an Hansetagen zwischen 1356 und 1516 gegeben. Fünf Karten zu den Delegierten, den Netzwerken und zur Mobilität der hansischen Elite, sieben Abbildungen und ein Orts- und Personalregister vervollständigen den stattlichen Band.

 

Die vielfältigen verwandtschaftlichen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den hansischen Gesandten, die Poeck aufdeckt, belegen eindrucksvoll, dass bei diesen eine unauflösliche Vermischung zwischen privaten Wirtschaftsinteressen und allgemeinen hansischen auf der einen und städtischen Belangen auf der anderen Seite vorlag. „In den Beratungen und Diskussionen des Hansetages“, so Poeck, „wurden die einzelnen Netzwerke von den Herren der Hanse zum Netzwerk Hanse verbunden“ (S. 511). Ob Poeck allerdings wirklich den Beweis erbracht hat, dass der „Hansetag nicht durch Interessen der Städte sondern durch diejenigen der Delegierten-Netzwerke bestimmt wurde“ (S. 511), muss hinterfragt werden. Denn dazu müsste doch ein wesentlich intensiverer Blick auf die Inhalte der Hansetage, auf die teilweise komplizierte Vorgeschichte der verhandelten Themen und die Beschlussfassung auf dem Hansetag gerichtet werden. Auch die Frage, die aufgrund der Quellenlage wahrscheinlich nicht befriedigend beantwortet werden kann, mit welchen Aufträgen die Gesandten zu den Hansetagen von Seiten ihrer Städte geschickt wurden, müsste ebenso wie die Frage der Wirksamkeit und Akzeptanz der Beschlüsse in den einzelnen Hansestädten behandelt werden. Um hier zu befriedigenden Antworten zu kommen, müssten weit mehr als zwei Hansetage untersucht und der travezentrische Blick verlassen werden.

 

Diese Anmerkungen schmälern aber nicht den Ertrag dieser Arbeit, sondern sollen vielmehr Anregungen für weiterführende Forschungen geben. Poeck hat mit dieser Untersuchung die Hanseforschung um einen bedeutenden Aspekt erweitert. Auch wenn die Netzwerke der „heren der hanse“ keinen Verfassungsrang besaßen, stellten sie doch eine wesentliche Komponente in dem komplexen und schwer zu fassenden System „Hanse“ dar und müssen bei zukünftigen Untersuchungen über die Hanse stärker als bisher berücksichtigt werden.

 

Anmerkungen:
[1] Rolf Hammel-Kiesow, Die Hanse, 4., aktual. Aufl., München 2008, S. 10.
[2] Ebd., S. 14.
[3] Ernst Pitz, Bürgereinung und Städteeinung. Studien zur Verfassungsgeschichte der Hansestädte und der deutschen Hanse, Köln u.a. 2001.

Der Ausstellungskatalog zur Hamburger Hanseausstellung: Die Hanse-Lebenswirklichkeit und Mythos(1989)

Umfassende Darstellung der Sitten und Gebräuche der hansischen Kaufleute im Spannungsfeld zwischen Zusammenhalt und Unabhängigkeit der einzelnen Mitglieder des Bundes. Goswin von der Ropp zeigt, dass für den Erhalt des Zusammenschlusses einerseits strenge Regeln zu befolgen waren, dass aber andererseits der wirtschaftliche Erfolg der hansischen Kaufleute nicht unwesentlich von selbständigem Denken und Handeln abhängig war. Nachdruck der Originalausgabe von 1907.
Goswin von der Ropp-Kaufmannsleben zur Zeit der Hanse
Umfassende Darstellung der Sitten und Gebräuche der hansischen Kaufleute im Spannungsfeld zwischen Zusammenhalt und Unabhängigkeit der einzelnen Mitglieder des Bundes. Goswin von der Ropp zeigt, dass für den Erhalt des Zusammenschlusses...
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Die Hanse

Die Hansestädte legen heute noch sichtbares Zeugnis ab von Einfluss und Pracht der Hanse: Mächtige Kirchen, historische Rathäuser, wehrhafte Stadtmauern und ganze Stadtbilder sind erhalten, einige davon haben den Rang eines UNESCO-Weltkulturerbes erhalten. Der Band erzählt nicht nur die Geschichte der Hanse, sondern zeigt die Orte der Hanse in historischen Abbildungen und auch aktuellen Farbfotos.

Die Hanse war ein einzigartiges Phänomen der europäischen Geschichte. Niederdeutsche Kaufleute aus rund 200 Städten zwischen IJsselmeer und Peipussee dominierten vom 13. bis zum 16. Jahrhundert fast 300 Jahre den europäischen Handel von Nordwestrussland bis England und verhandelten ihre Waren von Skandinavien bis Portugal, Italien und Lemberg (Lwów). Das Ende dieser überterritorialen, international operierenden Organisation war mit der Verfestigung des europäischen Staatensystems gegen Ende des 17. Jahrhunderts gekommen.
Die Autoren entwerfen ein facettenreiches, anschauliches Bild von Handelswegen, Handelswaren, Schifffahrt und Politik, von der Zusammenarbeit mit und dem Kampf gegen Territoralfürsten, von Seeräubern und dem langen Nachleben der Hanse bis heute. Bedeutende Hansestädte werden in dem reich mit Abbildungen ausgestatten Buch in Exkursdoppelseiten mit eigens für den Band aufgenommenen aktuellen Farbfotos vorgestellt.

 

  • Verlag: Primus Verlag
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 214 S. m. zahlr. meist farb. Abb., 2 farb. Übers.-Ktn.
  • Seitenzahl: 215
  • Deutsch
  • ISBN-13: 9783896783561
  • ISBN-10: 3896783564

 

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