Die Sprache des Mittelalters

Die mittelniederdeutsche Sprache

 

Immer wieder wird der Besucher von "Mittelaltermärkten und - spektakeln" in einem verquasten Pseudo-Schillerdeutsch mit vielen "-ey" konfrontiert.
Mit der tatsächlichen "mittelalterlichen" Sprache hat dies so viel gemein wie türkisch mit "Kanak Sprak".

Deutschland war im Mittelalter linguistisch in zwei Sprachfamilien geteilt, dem "Mittelniederdeutschen" (mnd.) und dem "Mittelhochdeutschen" (mhd.). Das "Hoch" ist eine geographische Angabe in Abgrenzung zum "Niederdeutschen" Kulturraum. Es bezeichnete also die geogr. Verortung der Sprachfamilie, während das heutige "Hochdeutsch"eine stilistische Bezeichnung ist wird und in Norddt. beheimatet ist.


Mittelniederdeutsch wurde im gesamten nord-, nordwest- und nordöstl. Deutschland und mittelniederländischen Raum von ca. 1250-1650 gesprochen.
Die älteste Sprachstufe des Mnd. war das Altsächsische (ca. 800-1100/50). Mnd. ist verwandt mit dem heutigem Plattdeutsch.

Die Verbreitung fand hauptsächlich durch den Aufstieg des Niederadels (volkssprachl. Geschichts- und Rechtsquellen; ält. Nachweis im Sachsenspiegel 1225) und des städt. Bürgertums (Schriftverkehr, Rechtsquellen) statt.
Mnd. wurde zur führenden Schriftsprache im gesamten  Nord- und Ostseeraum und diente als "Lingua franca", also als "Verkehrssprache" in Mittel- und Nordeuropa. Zeugnisse des Mnd. finden sich in Skandinavien, den Niederlanden, England und Rußland. Ungewöhnlich viele Worte sind aus dem Mittelfranzösischen entlehnt, was mit den engen Handelskontakten zu Frankreich und der Lage Flanders als Mittler zw. Frankreich und Norddt. zu erklären ist.

Der engere Sprachbereich reicht im  Norden von Flensburg bis in den Süden hinter Göttingen und von Düsseldorf im Westen bis Frankfurt/Oder im Osten. Gesprochen wurde Mnd. auch im Baltikum, Friesland und Mittelschleswig.


Die zeitliche und geographische Verortung erfolgt hauptsächlich über Schriftquellen. Sie gibt also nur begrenzt Auskunft über die tatsächliche Verbreitung und zeitliche Abgrenzung.

Würden wir auf unseren Veranstaltungen versuchen "mittelalterlich" zu sprechen, so würden wir wohl kaum verstanden werden - außer vielleicht von einer kleinen Anzahl des plattdeutschen mächtigen Besuchern...

Begriffe des Alltags und Gewerbes

Die folgende kleine Aufstellung mnd. Begriffe bezieht sich auf unsere Darstellung des spätma. Alltaglebens, Handel und Handwerk. Sie belegt aber auch die Existenz von ganz selbstverständlichen Alltagsgegenständen, die es im MA zwar gab, aber für die es (noch) keine archäologischen oder bildlichen Belege gibt. Die mnd. Schriftquellen füllen also diese Überlieferungslücke.

Gesellschaft
borgere - Bürger       
brôderschap - Brüderschaft mit religiösen Zielen oder zu weltlichen, beruflichen, geselligen Zwecken; Genossenschaft, Gilde.
edelink, edelman - Edelmann
gemeine, gemene - Gesamtheit, gem. Versammlung
geselschap, -schup, -schop - Mehrere Bedeutungen im Sinne von:
- communitas (Gemeinschaft)
- societas (Gesellschaft)
- gesellige Zusammenkunft
- Ordengemeinschaft
- Berufsgemeinschaft der Kaufleute oder Handwerker
- Handelgesellschaft
- Scharr, Rotte (milit.)
inwohner - Einwohner der Stadt (ca. 75 – 80 % der städtischen Bevölkerung)
ridder - Ritter
riddere - die Ritter (pl.)
ridder köne - Kühner Ritter

Sozialwesen
bursprake - bur = Nachbar, Mitbewohner; sprake = Unterredung, Besprechung
bruch, brüche - jemanden eine Geldstrafe auferlegen. In Hannover waren in der frühen NZ die sog. Bruchherren für Verfolgung und Bestraffung bei kleineren Vergehen  - z.B. Verstoß gegen die Kleiderordnung - zuständig. Davor waren die polizeilichen Ordnungsaufgaben von den Ordnungsherren (‚magistri disciplinae’), die 1303 erstmalig erwähnt werden für die "Aufrechterhaltung der inneren Ordnung“ zuständig.

Berufe, Handwerkliche Tätigkeiten, Werkzeug, Material
abbetêkerîe, apotêkerie - Apotheke
becker  - Bäcker
bodeker - Böttcher
brillenslîper - Brillenschleifer
brugge - 1. Brücke; 2. Gerüst; 3. Auflagebrett für Fensterrahmen, Holzbogen; Teile eines Fensterrahmens
cleynsmed - Kleinschmied
dreier - Drechsler
gewantsnîder - Tuchhändler
ghordere, gördelêr(e), gördemãker - Gürtelmacher
hoetvilter - Hutfilzer, -macher
innebecker - Hausbäcker
kistemeker - Tischler
knokenhawer - Knochenhauer (Fleischer)
kokenmester - Spottname der Reformationszeit für kath. Geistliche
linewefer - Leinenweber
nâtlere - Nadelmacher, Handwerker, der Nadeln u. kleine Metallgegenstände anfertigt  (natelerhandwerk)
rademeker - Rad-, Stellmacher
rose - Kalkrose; Stoß von Kalksteinen
schomeker - Schuhmacher
senk(e)ler - Hersteller von Senkeln
smede - Schmiede
tuch - Zeug, Handwerkszeug
wullenwefer - Wollweber

Hausrat
bril - Brille
beddekotte - Bettdecke
bûre - Kissenbezug
hâke - Haken
kôp - Becher
kannengôt - Geschirr
korne - Zuber
masch - Hölzernes Kästchen, Schachtel zur Aufbewahrung von Schriftstücken
nasch - Behälter, Korb, Kasten, Dose (z.B. für Konfekt => naschen). Bes.: Futteral, Etui, Mappe zur Aufbewahrung von Briefen und Urkunden
nâtel - Nähnadel
nâtelküssen - Nadelkissen
ôsen - Ösen

Kleidung (kleder)
brôk - abgeleitet von lat. ‚braca’, frz. ‚braie’. Beinkleid, im eigentl. Sinn die Bekleidung des Oberschenkels, also kurze, den Oberschenkel bedeckende Hose
linen brôke - Leinenhose. Mutmaßl. die Oberschenkel bedeckende Unterhose
brôkgordere - Hosengürtel (Unterhosengürtel)
brôkreme -Hosenriemen
badebrôk - Badehose
gewant - Zeug, Stoff, bes. Tuch, auch Seide u.a., Kleid
hãse, hõse - Beinkleidung des Mannes. Kommt fast nur im Plural vor (hõsen), meint zwei auch buckse, bockse    Beinkleider, also das was neudt. als Beinlinge bezeichnet wird. Meist aus festen Stoff,  auch Leinen (linnen, hõsenwant) oder gestrickt (‚de hosen weren voriger tidt geknettede/knüttede’). In letzterer Bedeutung sind Strümpfe, vorwiegend von Frauen getragen, gemeint. Ergänzt oben durch die bôk, unten durch vorvôte (vôtlinge), söcken
hãs-, hõsvetteln, hõssenkel - Riemen zum befestigen (upnestelen) der Hosen
badehoike - Bademantel
brêmelisse - Verbrämung, Besatz
barthen - Barettchen
dôk  - 1. Gewebe aus festem Leinen; 2. Kopftuch
gördel - Gürtel
gördelbõrde - Gürtelborte
gördelrême - Gürtelriemen
gördelpõsement - Gürtelbeschlag
hôde - Hut. Bezieht sich in den hannoverschen Quellen eindeutig auf die männliche, bürgerliche Kopfbedeckung
hoyken - Mantel
kaprûn - Hut, Kopfbdeckung. Abgel. vom afrz. Chaperon.
knôp -  Knauf, nicht Knopf
koghele - Gugel
kôplik want - Kleiderstoffe
mouwe - Ärmel
mouwenspangen - Manschettenknöpfe
nestel - Bindeband (erst ab 1646, Hamburg). Dagegen im mhd. nestel = Bandschleife, Schnürriemen nesteln = festbinden, schnüren oder auch nisten.
nestel, nestelen,nestel, nestelen, nastlen, rymen - nach Lübben (178) Schnur, schmales Band oder Riemen. Im mnd. wenig in  Gebrauch, fehlt aber nicht ganz und findet sich gelegentlich Tätigkeitswörtern (upnestelen).  Wg. Ähnlichkeit mit nestelen = nisten missverständlich.
natelreme - Nestel-, Hosenriemen    „[...] willense aver vonden vellen vorgescreven  netelremen von maken, de schullen nit bleven.“ (Hannover St. R. 464)
ridehoike - Reitmantel
ridemantel - Reisemantel
ridelerse - Reitstiefel
rydelhoyke - plissierter Kopf- oder Schulterumhang
senkel - Schnalle, Nestel, Schnürriemen. Gemeint ist das, was in neudeutsch und mhd. als „Nestel“ bezeichnet wird/wurde.
senkelmâker - Senkel-, Nestelmacher
wandhoike - Heuke aus Leinen (vgl. StAH A 2242/54 f. 1r)

Kaufleute und Handel
basse, barse - kleines Lastschiff
kôpmann - Kaufmann
kopenschup - Kaufmannschaft
kôplikelude - Kaufleute
kôpmannschup - Kaufmannsweise, Handel, Handelsware
kôpknape - Kaufmannsgeselle
kopinge - Handelsplatz
kôplik - was zum Kaufmann gehört   
kumpanîe, cumpanie, kumpanye - Gesellschaft, Genossenschaft, Handelsgesellschaft (altfrz. Lehnswort von compangie)

Reisen (rêsen)
franse - Franzose
fransch, franczisch - französisch   
gemêne varende man  - Gesamtheit der reisenden Kaufleute
jâcobsrêise - Pilgereise nach Santiago
pelegrimates - auf der Pilgerschaft
pelegrimacie, -mâtzie - Pilgerschaft
pelegrimensadel - Reisesattel
rêse, rese, royse - Reise, Fahrt zu einem entfernten Ort
rêzelade - Behältnis für die Reiseausrüstung
riden - Reisen
ridegelt - Reisegeld
ridehoike - Reitmantel
ridemantel - Reisemantel
ridelerse - Reitstiefel
trosse - Tross, Gepäck
vārende, vārnde, vārnne - wandern, umherziehen, reisen

Begleitung, Tross
geleide - Geleit
trossêl - Packen

Kommunikation und Redewendungen
Grote - Gruß
gegrôtet, gegröt - gegrüßt   
vruntlik, vrentlik - freundlich, freundschaftlich, geneigt
Vruntlike grote tovoren - Geneigten Gruß vorab
Got grôte jû - Gott grüße Dich
Wat is dîn name? - Wie ist dein Name?
Wat hêtestu? - Wie heißt Du?
Met Godes hulpe - Mit Gottes Hilfe


Textquelle: http://www.tohopesate.de/cms/front_content.php?idcat=121

Wappen der Familie Pepersack
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Siegelmarke
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Der nächste Termin:28.4.2017
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Der Pepersack ist nun auch beim "Kulturium" zu finden!!

Kultur in der Region Hildesheim
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Der neue Städtebund:"Die Hanse"

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